Zum 25. Todestag von Kurt Cobain: Warum der Nirvana-Sänger Jugendidol wider Willen wurde

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Der 5. April 1994 war ein schwarzer Tag für die Musikwelt: Es war der Tag, an dem Nirvana-Frontmann Kurt Cobain starb. Sein Leichnam wurde erst drei Tage später gefunden. Der Sänger und Gitarrist erschoss sich mit einer Schrotflinte. Zuvor hatte er eine Überdosis Heroin genommen. Zu diesem Ergebnis kamen Gerichtsmediziner. Seine Mutter Wendy O’Connor sagte damals: „Jetzt ist er von uns gegangen und ist Mitglied in diesem dummen Club.“ Sie spielte auf Rockstars wie Jimi Hendrix, Janis Joplin und Jim Morrison an, die unter Drogenproblemen litten und mit 27 starben: „Ich habe ihm gesagt, er soll diesem dummen Club nicht beitreten.“

Ein Vierteljahrhundert nach dem selbstgewählten Tod des US-Musikers wird Cobain nach wie vor verehrt wie ein Heiliger. Der Mythos um Kurt Cobain hat zahlreiche Bücher und Filme hervorgebracht, dokumentarische und fiktionale.

Wollte nie das Sprachrohr einer Generation sein: Kurt Cobain bei einem Nirvana-Auftritt beim Roskilde Festival 1992.
Wollte nie das Sprachrohr einer Generation sein: Kurt Cobain bei einem Nirvana-Auftritt beim Roskilde Festival 1992. (Foto: imago)

Michael Azerrad, der bereits sechs Monate vor Cobains Tod eine Biografie über diesen veröffentlichte, wusste, dass Nirvana unsterblich sind: „An Nirvana wird man sich wegen einer Revolutionierung des Rock’n’Roll in den 90er-Jahren erinnern“, sagte er damals. „Sie hat ihn von dem eher synthetischen Sound weg- und zu etwas Ehrlicherem zurückgebracht“. Grunge wurde durch Nirvana zum Weltphänomen.

Das zweite Album „Nevermind“ verkaufte sich 30 Millionen mal. Der Musikstil war auch eine Reaktion auf den grellen Glamrock der 80er, der sich in peinlichen Outfits und protzig zur Schau gestellter Männlichkeit erschöpfte. „Die klassischen Macho-Posen und die im Rock’n’Roll typischen Egotrips lehnte er ab“, sagte Danny Goldberg, Cobains Manager, jüngst dem Musikmagazin „Visions“. Ihm habe es nicht nur rebellische Musik angetan gehabt, sondern auch die politische Haltung, die feministische Positionen beinhaltete, so Goldberg, der dem Bücherreigen mit „Erinnerungen an Kurt Cobain“ eine weitere Veröffentlichung hinzufügt.

Dreckiger Sound, düstere Texte

Vom Poserrock grenzte sich auch der Sound klar ab: Statt exzessiver Gitarrensoli und pathetischer Rockschnulzen war der Nirvana-Sound kompakt, druckvoll und schmutzig – „Grunge“ ist passenderweise das englische Wort für Schmutz. Die Einfachheit des Punk traf auf Garagensound und eingängige Melodien. In den düsteren Weltschmerz-Texten fand sich die „Generation X“ wieder: Amerikaner in den 20ern, die unter Perspektivlosigkeit litten.

1967 geboren, war Cobain in zerrütteten Familienverhältnissen aufgewachsen und hatte Nirvana mit seinem Schulfreund Chris Novoselic (Bass) 1987 gegründet. Doch mit dem raschen Ruhm kam Cobain nicht klar, und auch in der Ehe mit Courtney Love fand er nur vorübergehend Halt. Der verletzliche Künstler, der an Depressionen und einer Magenerkrankung litt, wollte kein Idol sein. Wenn die Fans zum x-ten Mal „Smells Like Teen Spirit“ hören wollten, fühlte er sich auf einen MTV-kompatiblen Hit reduziert.

Auch wenn Nirvana unzählige Musiker beeinflusst haben – in ihre Fußstapfen getreten ist niemand. Es sieht nicht so aus, als sollte sich das auf absehbare Zeit ändern.

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