ZF-Musikpreis für Dmytro Choni

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Dmytro Choni
Dmytro Choni (Foto: Edmund Moehrle)
Schwäbische Zeitung
Gerd Kurat

In der traumhaften Kulisse von St. Christoph am Arlberg fanden die beiden ersten Wettbewerbsrunden für den neunten ZF-Musikpreis statt. Aus den sechs ursprünglichen Teilnehmern hatte die Jury nach dem Vortrag von Werken von Bach bis zur Neuzeit drei Finalteilnehmer ausgewählt: Jung Eun Séverine Kim, Hans Hyungmin Suh und Dmytro Choni. Die junge Pianistin und zwei junge Pianisten mussten mit einem Programm aus zwei Konzertetüden und Werken des 19. und 20. Jahrhunderts nach freier Wahl den Sieg und die Plätze untereinander ausspielen. Die Zuhörer im voll besetzten Ludwig-Dürr-Saal im Graf-Zeppelin-Haus in Friedrichshafen konnten in einem äußerst spannenden Konzert Wettbewerbsluft schnuppern. Um die Konzentration der schon genug angespannten Solisten nicht zu stören, war es zwischen den einzelnen Stücken mucksmäuschenstill. Umso mehr gab es begeisterten Applaus nach dem Ende jedes Gesamtvortrags.

In den geforderten Konzertetüden gelang allen Teilnehmern, aus den technischen Übungen ein kunstvolles Miniaturkonzert zu zaubern. Kraftvolle Oktavengänge, ausgefeilte Verzierungen oder enorme Sprünge über vier Oktaven, alle gestellten „Knack die Nuss“-Aufgaben, die Chopin, Rachmaninow oder Skrjabin gestellt haben, wurden mühelos gemeistert.

Bei der Auswahl der Werke für das letzte Musikstück hätte der Unterschied kaum größer sein können. Hans Hyungmin Suh, Publikumspreisträger der beiden Vorrunden, präsentierte die Klavierfassung von Ravels „La Valse“. In dem Bravourstück glänzte der junge Südkoreaner mit durchgängiger Motorik im Kampf des Marsches gegen die morbide Wiener Walzerseligkeit.

Jung Eun Séverine Kim, ebenfalls wie Suh in Südkorea geboren, beide Studierende an der Hochschule für Musik in Hannover, war bei Debussy fündig geworden. In den drei epochalen Stücken aus „Image Band I“ entführte die Pianistin mit äußerst sensiblem Anschlag, fließender Bewegung in das Spiel der Elemente Wasser und Licht. Bestechend, wie sie auch in „Mouvement“ in der Dynamik alle Nuancen des Leisen auskostete.

Schwere Entscheidung

Dmytro Choni, 1993 geboren in der Ukraine, hatte mit der Klaviersonate Nr. 1 von Alberto Ginastera einen Joker im Ärmel. Ruhig und gelassen, mit gefühlvollen Einsätzen spielte er das meditative Adagio. In vollem Risiko stürmte er dann mit einem halsbrecherischen argentinischen Malambo mit dahinjagenden Akkorden und ekstatischen Steigerungen zum fulminanten Schlusspunkt. Diese mitreißende Leistung führte zunächst zum Publikumspreis.

Die Jury für den ZF-Musikpreis unter Vorsitz von Peter Vogel musste sich entscheiden. Keine leichte Aufgabe für Yuka Imamine und Ritva Sjöstedt: Den mit 6000 Euro dotierten ZF-Musikpreis sprachen sie Dmytro Choni zu. Den zweiten Preis (3000 Euro) bekam Jung Eun Séverine Kim, den dritten (2000 Euro) Hans Hyungmin Suh.

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