Zeitenwende im Köln: Weibliche Domschweizer

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Domschweizerinnen am Kölner Dom
Die neuen Domschweizerinnen Hedi Michels (l-r), Andrea Petzenhauser, Susanne Rückes, Claudia Drolshagen (l-r) vor dem Portal. (Foto: Oliver Berg / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Christoph Driessen

Rote Robe mit schwarzem Samtbesatz - das ist die Tracht der Kölner Domschweizer. Auf dem schwarzen Samtstreifen liegt nun in einem Fall ein langer blonder Zopf auf. Er gehört Andrea Petzenhauser (35), einer der ersten vier Frauen in diesem bisherigen Männerberuf.

Als sie am Dienstag durch die Kathedrale gegangen sei, habe sie gleich ein Besucher gefragt, ob den Job jetzt auch Frauen machen könnten, erzählt sie. „Als ich das bejaht habe, kamen zwei Daumen nach oben.“

Für Hedi Michels (58) ist mit ihrer Anstellung als Domschweizerin ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen. „Mein Bruder war früher Sternsinger, Messdiener - und ich als Mädchen war nix, ich durfte mit meinen Eltern in der Bank sitzen. Und jetzt steh' ich hier im Talar.“ Überschäumende Freude ist der Frau mit der roten Brille am Gesicht abzulesen. Sie holt ganz tief Luft. „Ich freue mich drauf, nächste Woche, dem Herrn zu dienen. Zu helfen, das Allerheiligste in die Sakramentskapelle rüberzutragen. Und natürlich auch, die Menschen aus aller Welt an der Kirchentür zu begrüßen und in meinen Dom hereinzulassen.“

Domschweizer sind so etwas wie die Hausmeister in Deutschlands größter und bekanntester Kathedrale. Sie erledigen alle möglichen Aufgaben wie aufschließen, abschließen, Glocken läuten, Kerzen ausblasen. Außerdem achten sie darauf, dass die Hausregeln eingehalten werden. Der Dom wird jeden Tag von 30 000 Menschen besucht.

Andrea Petzenhauser glaubt, dass es dabei nur von Vorteil sein kann, auch ein paar Frauen dabei zu haben: „Wenn zum Beispiel jemand mit Spaghettiträgern ankommt, da zu sagen: "Könnten Sie bitte doch was überziehen, könnten Sie sich ein Tuch umhängen?" Das, glaube ich, ist als Frau tatsächlich leichter.“

Petzenhauser stammt aus Vilshofen in Bayern und arbeitet sonst als Wirtschaftsjuristin. Den Teilzeitjob als Domschweizerin macht sie nebenher. Es sei ihr wichtig, dabei zu sein, wenn sich die Kirche in dieser Weise für Frauen öffne, sagt sie. „Für mich ist das der Beitrag, den ich leisten kann. Ein ganz kleiner. Aber die Tür öffnet sich.“

Für den Hausherrn des Doms, den Propst Gerd Bachner, ist dieser Dienstag „ein historischer Tag, ein Tag der Freude“. Die Domschweizer gibt es vermutlich schon seit dem Mittelalter, und immer waren es nur Männer. Künftig sind nun vier der 30 Domschweizer Frauen - und mit der Zeit können es natürlich mehr werden. Bachner vertritt die Überzeugung, „dass die Stimme der Frauen, dass das Wesen der Frauen eine Bereicherung ist“. Willkommen im 21. Jahrhundert.

Ist dies nun der Anfang einer größeren Öffnung in der Männerwelt der katholischen Kirche? „Manches können wir in Köln entscheiden, manches kann nur in Rom entschieden werden“, antwortet Bachner etwas ausweichend. Er hoffe aber, dass die Bilder von den Schweizerinnen auch dort gesehen würden.

Die männlichen Schweizer hätten ihre vier Kolleginnen jedenfalls begeistert aufgenommen, beteuern diese übereinstimmend. Am Hauptportal wird eine von ihnen gleich von einem der Kollegen umarmt. Kennt er sie schon länger? „Nö“, ist die Antwort. Und trotzdem gleich eine Umarmung? „Ja“, sagt er. „So geht das unter Katholiken.“

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