Weltstar in der Provinz: Pianist Sokolov in Ochsenhausen

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 Grigory Sokolov bei einer Aufnahme für die Deutsche Grammophon.
Grigory Sokolov bei einer Aufnahme für die Deutsche Grammophon. (Foto: Mary Slepkova/ Deutsche Grammophon)
Katharina von Glasenapp

Der russische Pianist Grigory Sokolov gibt sich nicht nur bei den großen Festivals wie den Salzburger Festspielen die Ehre. Er schätzt auch die kleinen Konzertsäle. Der Landesakademie für die musizierende Jugend in Baden-Württemberg ist es gelungen, den Meister der Anschlags- und Pedalisierungskultur nach Oberschwaben zu locken – zur Freude auch der jungen Pianistinnen und Pianisten aus aller Welt, die derzeit im Rahmen des Musiksommers Meisterkurse in Ochsenhausen besuchen.

Über Wochen und Monate ist der 69-Jährige mit dem jeweils aktuellen Programm unterwegs und gestaltet es mit höchster Präsenz. Im prächtigen Bibliothekssaal von Ochsenhausen mit seiner schönen Lichtdramaturgie widmete er sich im ersten Teil einer frühen Sonate op. 2/3 und den späten Bagatellen op. 119 von Beethoven, im zweiten Teil standen späte Klavierwerke von Brahms auf dem Programm. Dabei wirkte die frühe Klaviersonate wunderbar klar gemeißelt und differenziert, etwa in den feinen Beleuchtungswechseln des langsamen Satzes. Bei Beethoven und noch viel mehr später bei Brahms erweckte Sokolov die Farben und Register eines ganzen Orchesters.

Aus „Bagatellen“ und „Intermezzi“, kleineren Formen also, werden unter seinen Händen Meisterwerke mit Gewicht, voller Klarheit bei Beethoven und der Wärme des romantischen Klangs bei Brahms. Am liebsten schließt er die Stücke so dicht wie nur möglich aneinander an, erzeugt so in den Beethoven-Bagatellen ein großes Ganzes mit verschiedensten Aspekten der Dynamik und der Artikulation.

In den so vielstimmig angelegten späten Stücken von Brahms tauchen dagegen sorgsam in Begleitung eingebettete Melodien auf, rhythmisch überlagert in einem feinen Liniengeflecht. Die Intermezzi sind Nachtmusik der besonderen Art, reich an Emotionen und Kontrasten, die Sokolov mit größter Selbstverständlichkeit darlegt.

Zu später Stunde schenkt der Pianist seinem Publikum wieder eine Reihe von Zugaben, beginnend und endend mit Schubert, kontrastiert mit zwei kristallklar sprudelnden Miniaturen von Rameau, nochmals Brahms und einem Werk von Rachmaninow.

Der Musiksommer Ochsenhausen wird über die Sommerferien fortgesetzt, bevor man beim Schwäbischen Klassikherbst auf den Pianisten Kit Armstrong und seine Interpretation des Klavierkonzerts von Schumann an der Seite des Münchener Kammerorchesters gespannt ist (27.9., Schloss Großlaupheim).

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