Was die Herren Bueb und Breloer trennt

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Schwäbische Zeitung
Rolf Waldvogel

Ein Anruf beim WDR hilft weiter: Der bekannte TV-Mann nennt sich selber "Brelör". Damit ist ein Problem angesprochen, das uns wahrscheinlich in Internet-Zeiten zunehmend beschäftigen wird. Denn "ö", "ä" und "ü" sind schließlich international nicht IT-compatibel und müssen im Web durch "oe", "ae" und "ue" ersetzt werden.

Nun gibt es im Deutschen aber auch ein sogenanntes "Dehnungs-e". Beim "i" kennen wir es alle: Soll ein "i" gelängt werden, wird ein "e" angehängt, zum Beispiel bei „Bier“, „Zier“, „Tier“ oder „hier“. Dieses „Dehnungs-e“ taucht aber auch nach den Vokalen „a“, „o“ und „u“ auf – allerdings nur in Eigennamen. Vor allem aus Nordrhein-Westfalen kennen wir viele Ortsnamen, die diesem Prinzip folgen: „Kevelaer“ und „Raesfeld“ oder „Soest“ und „Coesfeld“. Im Norden gibt es „Itzehoe“ und „Bad Oldesloe“, und an der Mosel findet sich „Bernkastel-Kues“.

Während sich jedoch bei solchen Ortsnamen eine feste Aussprache eingebürgert hat, kann man bei Personennamen nie sicher sein. Da spielen familiäre Traditionen eine Rolle, aber auch landsmannschaftliche Eigenheiten. Leute namens „Schoenmaker“ sprechen sich mit „o“ aus, weil der Name nichts mit „schön“ zu tun hat, sondern mit „Schuhen“. Heinrich Breloer besteht – siehe oben – auf dem „ö“. Bernhard Bueb wiederum, derzeit vielzitierter Ex-Leiter der Schlossschule Salem, will weder ein langes „u“ hören, noch ein langes „ü“, sondern mit Blick auf seine süddeutsche Herkunft ein „u-e“, also ein „u“ mit angehängtem kurzem offenem „e“.

Damit kommt die ohnehin vertrackte Dialekt-Schreibung ins Spiel. Zwischen Memmingen und München liegt „Buchloe“, gesprochen „Buchlo-e“ und nicht „Buchlö“. Die „Schwäbsche Eisebahn“ fährt in „Stuegert“ los, gesprochen „u-e“. Und um kurz die südbadische Karte zu spielen: Die Anfangszeile von Johann Peter Hebels reizenden Gedicht vom „Mann im Mond“ heißt: „Lueg, Müetterli, was isch im Mo’?“ – „Lueg“ gesprochen „u-e“. Ernst Dieter Lueg wiederum, prominenter TV-Journalist aus Essen, wollte einst mit langem „u“ angeredet werden. Was den alten SPD-Kämpen Herbert Wehner nicht hinderte, den ungeliebten Konservativen immer wieder mal bewusst mit „Herr Lüg“ anzubellen.

Schließlich wollen wir nicht verschweigen, dass es auch ein „Dehnungs-i“ gibt: in Ortsnamen wie „Troisdorf“ oder „Grevenbroich“, gesprochen mit langem „o“, oder in Eigennamen, wobei einem sofort der arme Schuster Wilhelm Voigt aus dem „Hauptmann von Köpenick“ einfällt.

Mit Blick auf unsere Leserschaft sei jedoch noch angemerkt: Bei „Hoi!“, dem unendlich variierbaren Ruf des Erstaunens der Allgäuer, geht es nicht um ein „Dehnungs-i“. Es heißt „Ho-i“, gesprochen wie „Heu“.

Passt ja auch ins Alpenvorland.

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