„Waldi“ Hartmann wird 70

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Das vom Video abgenommene Bild zeigt den Teamchef der Fußball-Nationalmannschaft, Rudi Völler (rechts), 2003 bei seinem legendä
Das vom Video abgenommene Bild zeigt den Teamchef der Fußball-Nationalmannschaft, Rudi Völler (rechts), 2003 bei seinem legendären Ausraster, links Waldemar Hartmann. (Foto: ARD/dpa)
Deutsche Presse-Agentur
Caroline Bock

Berlin (dpa) - Der Wutausbruch von Rudi Völler. Das Debakel als Telefonjoker bei Günther Jauch. Und der Schnurrbart. Immer noch wird Waldemar Hartmann darauf angesprochen, dabei sei der jetzt seit fast 20 Jahren weg, so der Moderator und Fußballexperte. Für Schlagzeilen war er immer schon gut. Am Samstag feiert er seinen 70. Geburtstag, zusammen mit seiner Frau Petra (47) und den Schwiegereltern.

2012 hat Hartmann seine Sendung „Waldis Club“ in der ARD beendet, nicht ohne Murren. Aber der Journalist hält sich auf dem Laufenden. „Das ist für mich keine Arbeit“, sagt Hartmann. „Ich will wissen, was in der Branche passiert und wie schnell sich das Personalkarussell dreht. Wunderbar, das von außen zu beobachten.“ Ihm fehle nichts, weil er ja ab und zu mal vorturnen dürfe. „Hin und wieder bin ich mal bei einer Quizshow oder bei Markus Lanz. Da musst du auf dem Laufenden bleiben.“

Zweimal hat Hartmann den ganz großen Mediendonner erlebt. „Ich hatte einmal richtig Glück und einmal richtig Pech. Aber beides hat sich danach für mich als Bonus herausgestellt, sogar im pekuniären Bereich.“

Skandale zahlen sich aus

Mediendonner eins: Das Interview mit dem wutrasenden Rudi Völler im Jahr 2003 war tagelang nationales Thema. „Das war ein irrer Hype. Und einer war der Gewinner: Rudi.“ Nur der habe es nicht so gesehen. Damals schimpfte Völler nach dem 0:0 der deutschen Fußballer auf Island in Richtung der Moderatoren Günter Netzer und Gerhard Delling. Hartmann bekam eine Grätsche ab: „Du sitzt hier locker bequem auf deinem Stuhl, hast drei Weizenbier getrunken.“

Das mit dem Bier stimmte laut Hartmann nicht. „Ein Weißbierspezialist bin ich nicht, eher für Wodka, mein abendliches Bargetränk. Natürlich trinke ich schon mal ein Weißbier, aber sicher nicht drei.“ Er sei da als Bayer quasi in Sippenhaftung gekommen, so sei Völlers Erklärung gewesen. Völlers verbaler Ausbruch verschaffte Hartmann einen zehnjährigen Vertrag als Weißbierbotschafter.

Mediendonner zwei: Der Fußball-Experte vergeigte 2013 einen Auftritt als Telefonjoker bei „Wer wird Millionär?“. Auf die Frage, welche Nation den WM-Titel noch nie bei einem Turnier im eigenen Land gewonnen habe, sagte Hartmann: Deutschland. Falsch. Autsch.

Aber der Blackout war gute Werbung für Hartmanns Buch, „Dritte Halbzeit“. Und der Medienprofi wusste, was zu tun war. „Bei Markus Lanz habe ich erklärt, was ich für ein Vollpfosten war. Ich habe mich selbst zum Tor des Jahres ernannt. Danach folgte im Netz dann ein sogenannter Candystorm und alles war wieder gut.“

Hartmann, früher Kneipenwirt in Augsburg, lebt heute in der Schweiz und in Berlin. Als Moderator zog er immer die Methode Stammtisch dem Kreuzverhör vor. Die Gespräche im Fernsehen sind ihm heute oft zu konfrontativ. In seiner Zeit als Redaktionsleiter beim Bayerischen Rundfunk hat er seinen Leuten gesagt: „Ihr werdet nicht berühmt mit der Frage, sondern nur, wenn eine tolle Antwort kommt. Und die kriegst du nicht, wenn du jemanden zusperrst, indem du bei der ersten Frage gleich mit zwei Türen ins Haus fällst. Also ein bisschen Wattebäuschchen, ein bisschen Sicherheit geben und dann kommt die Frage, deren Antwort ich wissen will.“

Als Höhepunkt seiner Karriere nennt Hartmann die Sendungen mit dem Satiriker Harald Schmidt. „Wir haben uns blind verstanden. Übrigens bis heute.“ Im aktuellen Fernsehen mag er den Stil von ZDF-Mann Rudi Cerne. „Wenn ich mir Rudi anschaue, der sieht noch so aus wie vor 25 Jahren und er moderiert auch wie vor 25 Jahren. Es ist für mich ein hoher Genuss, weil es völlig unaufgeregt ist. Ein Paradebeispiel dafür, dass er sich nicht in den Mittelpunkt stellen muss, sondern den Gast, der im Studio ist. Rudi moderiert ehrlich und unprätentiös, während sich viele andere selbst inszenieren.“

Über Bundestrainer Jogi Löw macht sich Hartmann hingegen lustig. „Wenn Bundestrainer schon Werbung machen, ist das okay. Aber ob es dann für Nivea sein muss?“ Über sich selbst sagt Hartmann, sein Weg sei noch nicht zu Ende. Zur Weltmeisterschaft im Sommer 2018 in Russland will er bei einem Start-up auf Facebook und Instagram loslegen.

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