Vor 70 Jahren begannen die Bregenzer Festspiele mit Mozart auf dem Kahn: Nun wird wieder „Bastien und Bastienne“ im Gondelhafen gespielt

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Schwäbische Zeitung
Katharina von Glasenapp

Zurück zu den Wurzeln. Am Vorabend der Eröffnung der Bregenzer Festspiele erinnert das Festival mit Mozarts Schäferspiel „Bastien und Bastienne“ an die erste „Festwoche Bregenz“. Vor 70 Jahren hat sie stattgefunden. Eine reich bebilderte, von Pressesprecher Axel Renner und Ausstellungskurator Manfred Welte erstellte Broschüre „Vom Kieskahn zur Opernbühne im See. 70 Jahre Bregenzer Festspiele“ zeigt Plakate, Bühnenbild-Skizzen und Fotos, die zugehörige Ausstellung ist im Vorarlberg Museum zu sehen.

Schon damals bei der ersten Festwoche vom 4. bis 11. August 1946 gaben die Wiener Symphoniker zwei Konzerte, dazu kamen geistliche Musik, Lesungen, Theater, Sportveranstaltungen in der neu errichteten Sporthalle und ein Wunschkonzert mit dem Funkorchester. Ein erstaunlich dichtes Programm ein Jahr nach Kriegsende, als man sich noch über „Liebespakete“ von Schweizer Gästen für Vorarlberger Bürger freute.

Im Gondelhafen, wo heute die Tretboote für eine Ausfahrt auf dem See locken, waren nicht zuletzt auch zwei Kieskähne verankert: Auf dem einen saß das Orchester, auf dem anderen hatten Künstler der Vorarlberger Landesbühne, wie das Theater damals hieß, das Bühnenbild für „Bastien und Bastienne“ geschaffen. Für die „Wiederaufnahme“ nach 70Jahren haben Ausstattungsleiter Florian Kradolfer und Regisseur Steven Whiting, der das Ganze liebevoll heutig in Szene setzt, sich allerdings auf einen Kieskahn beschränkt: Den größten Teil des Platzes nimmt das filigran und beweglich aufspielende Symphonieorchester Vorarlberg unter der Leitung des jungen kanadischen Dirigenten Jordan de Souza ein, der bereits im zweiten Jahr als Assistent von Festspieldirigent Paolo Carignani in Bregenz ist.

Auf der rechten Seite agieren drei junge Sänger des von Intendantin Elisabeth Sobotka entwickelten Opernstudios, die man auch in anderen Festspielproduktionen erleben kann: Der Tiroler Tenor Paul Schweinester – in „Hamlet“ gibt er den Laertes – und die erst zwanzigjährige Russin Anna El-Khashem, die ab Herbst dem Opernstudio der Bayerischen Staatsoper angehören wird, geben das verliebte Schäferpaar. Dominic Barberi hält hier als vermeintlicher Zauberer Colas die Fäden in der Hand, bevor er demnächst in der Opernstudioproduktion des „Don Giovanni“ den Komtur singen wird.

Leicht wie vorhersehbar

Während nebenan auf der Seebühne die ausgefeilte Tontechnik von BOA (Bregenz Open Acoustics) für die (oft allzu mächtige) Beschallung sorgt, hat man auf den Kieskähnen damals wie heute auf die natürliche Klangtragfähigkeit des Wassers gebaut: Orchester und Sänger sind unverstärkt, „unplugged“, und gegenüber den Umweltgeräuschen wie Eisenbahn oder Straße etwas im Nachteil. So kommen zwar die schlanken Stimmen, die Bläser und Streicher gut rüber, weniger aber der Text. Doch ist ja der Inhalt des Schäferspiels so leicht wie vorhersehbar und man muss einmal mehr staunen über Mozarts früh vollendete Kunst, im Alter von zwölf Jahren menschliche Emotionen wie Liebeskummer, Eifersucht, Stolz, Zorn und zuletzt innige Versöhnung in Töne zu fassen.

Das Publikum, dicht gedrängt an der Promenade, auf Bierbänken und in Liegestühlen platziert, genoss einen traumhaften Sommerabend, wie man ihn den Festspielen für die kommenden Wochen wünscht, das prächtige Feuerwerk stahl aber dem kurzen Mozartsingspiel vielleicht doch die Schau.

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