Von Wut, die sich wie ein Vulkan entlädt

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Sind abseits ausgetretener Plastik-Pop-Pfade zuhause: Schmieds Puls aus Wien.
Sind abseits ausgetretener Plastik-Pop-Pfade zuhause: Schmieds Puls aus Wien. (Foto: Ina Aydogan)
Digital-Redakteurin

Live: 27.9. Mannheim, Kulturbrücken Jungbusch; 5.10. München, Milla, 11.10. A-Bludenz, Remise

Schmieds Puls haben mit ihrem dritten Album „Maniac Acid Love“ (Play Dead Records/Rough Trade Distribution) die Erwartungen ihrer Fans und Kritiker eindeutig erfüllt, wenn nicht gar deutlich übertroffen – was für Sängerin Mira Lu Kovacs, Schlagzeuger Christian Grobauer und Bassist Walter Singer gar nicht so leicht gewesen sein dürfte.

Die Stärke von „Maniac Acid Love“ liegt in seiner ungewöhnlichen Ruhe. Tatsächlich gelingt es dem Trio aus Wien mit dem stark reduzierten, aber dafür instrumental virtuosen Sound eine Eindringlichkeit zu schaffen, die die Botschaft von Kovacs Texten und Stimme vermittelt. Die Sängerin erhebt ihre Stimme, ohne laut zu werden. Bestes Beispiel hierfür ist das das herausragende „Exhausted“.

Das Album lebt von dem Kontrast zwischen dem ungewöhnlich arrangierten, verhaltenen Sound und den eindrucksvollen Lyrics, in denen erst Enttäuschung, Verzweiflung, ja gar Wut durchschimmert, die sich später auch entlädt – oder eher wie ein Vulkan ausbricht. Nicht ohne Grund hat die Band feuerrote Lava als Motiv für das Albumcover gewählt.

Kovacs prangert Sexismus an

Gründe, um wütend zu sein, hat Songwriterin Kovacs viele, wie sie in zahlreichen Interviews erklärt. Besonders ärgert sie dabei der offenkundige Sexismus im Musikgeschäft, in dem sie als Frau und Musikerin oft nicht für voll genommen werde. Angesichts der jüngsten Feminismusdiskussion rund um die MeToo-Debatte ist „Maniac Acid Love“ also ein hochaktuelles Album, auf dem sich die Musikerin mehr denn je getraut hat „zu sagen, was geht und was nicht“.

Bei einem solchen Wutausbruch dürfen dann auch die Grunge-Gitarren grölen und den Zuhörer kurz aus der sanften Komfortzone reißen, wie beim Alternative-Pop-Track „Superior (Fuck you)“. Überhaupt sind die elf Songs wie bei den Alben zuvor auch musikalisch nur schwer einzuordnen. Da hört man mal ein wenig Indie heraus wie bei „The Plan“, da findet man ein wenig Nu Jazz beim exquisiten „Exhausted“ oder Folkanleihen bei „The Walk“. Schmieds Puls gelingt hierbei das Kunststück, dass man bei jedem neuen Hören immer wieder eine neue Wendung, einen neuen Klang entdeckt.

Anspieltipps: „Run“, „Exhausted“, „The Walk“ und „Superior (Fuck you)“.

Live: 27.9. Mannheim, Kulturbrücken Jungbusch; 5.10. München, Milla, 11.10. A-Bludenz, Remise

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