TV-Kritik: Was Deutschland bewegt: Das Mädchen und der Flüchtling

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Kerzen vor dem Drogeriemarkt in Kandel, wo am Vortag ein afghanischer Flüchtling ein junges Mädchen tötete.
Kerzen vor dem Drogeriemarkt in Kandel, wo am Vortag ein afghanischer Flüchtling ein junges Mädchen tötete. (Foto: dpa)

Im Dezember 2017 sind innerhalb einer Woche zwei junge Frauen von Flüchtlingen überfallen worden. In Darmstadt stach ein 16-jähriger Afghane auf eine 17-jährige Marokkanerin ein – sie war seine Deutsch-Patin in der Schule. Im südpfälzischen Kandel tötete ein junger Asylsuchender aus Afghanistan seine ehemalige Freundin mit zahlreichen Messerstichen. Die Reportage von Christian Gropper und Kai Diezemann im Rahmen einer sechsteiligen Reihe mit brisanten Themen rollt diese beiden Fälle auf und versucht mit professioneller Distanz, die Sachverhalte darzustellen. Denn in Kandel ist seit der Tat nichts mehr, wie es war. Die kleine Stadt wird seither von Rechtsradikalen und AfD-Anhängern instrumentalisiert. Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Beschönigt wird in dieser Dokumentation gar nichts. Wenn sich das Filmteam unter anderem vor Ort in Kabul auf eine schwierige Spurensuche begibt und die Einheimischen ins Mikrofon diktieren, dass es nach der Scharia völlig okay sei, wenn Männer ihre davonlaufenden Frauen „bestrafen“, dann ist das nur schwer erträglich. Auf der anderen Seite berichtet eine Darmstädter Lehrerin, die Ansprechpartnerin für sexuell belästigte Mädchen ist, dass es noch keinerlei Beschwerden über Ausländer gegeben habe. Genug Stoff für weitere Diskussionen also.

Was Deutschland bewegt: Das Mädchen und der Flüchtling (ARD, Mo., 20.15 Uhr)

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