TV-Kritik: Riss in der Fassade

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TV-Kritik: Riss in der Fassade
TV-Kritik: Riss in der Fassade (Foto: colourbox)
Schwäbische Zeitung

Gerade war noch Party – und plötzlich ist jemand tot. Als die junge Anna leblos auf dem Boden von Karstens Wohnung liegt, gerät sein Leben aus den Fugen.

Anstatt den Notarzt zu rufen, macht er sich zu Fuß auf den Weg in eine nahegelegene Klinik, die aber geschlossen hat. Ein Fehler aus Panik? Oder hat Karsten (Sebastian Hülk) etwas zu verbergen? Karstens Freundin Laura (Julia Jentsch), die Polizei, die Familie – alle stellen sich diese Frage. Hatte er ein Verhältnis mit Anna, die keiner auf der Party kannte? Immerhin war er ihr näher gekommen, nachdem alle anderen die Wohnung verlassen hatten. Warum versucht Karstens einflussreicher Vater, die Sache mit allen Mitteln zu vertuschen? Regisseurin Asil Özge spannt ein Netz der Verdächtigungen auf. Der Argwohn schleicht sich ein in das bürgerliche Leben mit spießigen Sonntagsessen bei den Eltern und oberflächlichen Bussi-Freundschaften. Was wie ein Thriller beginnt, entpuppt sich als Milieustudie einer biederen Kleinstadt, mit einem Antihelden, dem gleichzeitig alles und nichts zuzutrauen ist. Wer schnelle Action erwartet oder einen klassischen Krimi mit Ermittlungsarbeit und Tätersuche, der wird von „Auf einmal“ enttäuscht werden. Wer sich allerdings auf das etwas langsame Erzähltempo einlässt, darf sich auf eine dichte Atmosphäre und hervorragend unterkühlt spielende Hauptdarsteller freuen.

Auf einmal. Arte, Freitag, 20.15 Uhr

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