TV-Kritik: „Mensch Franziskus“

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Papst Franziskus auf seiner Lateinamerikareise.
Papst Franziskus auf seiner Lateinamerikareise. (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung
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Die bisherige Bilanz des „unberechenbaren Papstes“ zieht diese „ZDFzeit“-Dokumentation fünf Jahre, nachdem aus dem argentinischen Kardinal Jorge Mario Bergoglio Papst Franziskus wurde. Seither steht der heute 81-jährige Jesuit an der Spitze der römisch-katholischen Kirche. Was hat Papst Franziskus, der erste Lateinamerikaner in diesem Amt, bisher bewegt? Die Antwort – beispielsweise Begeisterung in vielen Gesellschaftsschichten – bleibt das Stück über weite Strecken schuldig.

Sehenswert ist die Dokumentation dennoch, da Verwandte und Vertraute aus Argentinien zu Wort kommen, die aus der Jugend des Papstes berichten. Der Zuschauer erfährt von Wegbegleitern, dass der junge Jorge Mario verliebt und der Jesuiten-Obere autoritär war.

Die römischen Jahre seit 2013 beleuchtet die Dokumentation leider zu stark aus dem Blickwinkel der Papstkritiker. Aber außer dem deutschen Kardinal Ludwig Gerhard Müller, dem ehemaligen Präfekten der Glaubenskongregation, dessen Vertrag Franziskus nicht verlängerte, kommen die Kritiker selbst nicht oder nur anonym zu Wort. Schade.

Die Botschaft, die Franziskus verkündet, das Evangelium, die Barmherzigkeit, die Liebe Gottes, tritt fast hinter die kirchenpolitischen Aspekte zurück. Ein stärkerer Fokus auf das Fundament der Kirche hätte dieser Dokumentation gutgetan.

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