TV-Kommissare stürmen die Bestsellerlisten

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 Seine Romane kamen beim Publikum bestens an, aber auch die Literaturkritiker zeigten sich gnädig: Matthias Brandt ist inzwische
Seine Romane kamen beim Publikum bestens an, aber auch die Literaturkritiker zeigten sich gnädig: Matthias Brandt ist inzwischen auch erfolgreicher Autor. (Foto: Fotos: Patrick Seeger/dpa)
Martin Weber

Normalerweise gehen sie im „Tatort“ oder anderen Krimireihen auf Mörderjagd und glänzen auch in Spielfilmen. Doch das ist diesen Schauspielern nicht genug: Immer mehr TV-Kommissare versuchen sich als ernsthafte Romanautoren. Fernsehstars wie Ulrich Tukur und Axel Milberg (beide „Tatort“) oder Matthias Brandt (bis vor kurzem „Polizeiruf 110“), die viele Zuschauer als hartnäckige Ermittler aus Krimis kennen, haben in jüngerer Zeit Romane veröffentlicht, die von der professionellen Literaturkritik mal mehr, mal weniger gut besprochen werden.

Milbergs Familiensaga „Düsternbrook“ kommt bei den Literaturkritikern schlechter weg als Brandts in den 70er-Jahren spielende, hochgelobte Geschichte „Blackbird“ über einen 15-jährigen Gymnasiasten, dessen bester Freund an Krebs erkrankt. Das autobiographische Familienepos „Der Apfelbaum“ von Christian Berkel, der in der ZDF-Krimiserie „Der Kriminalist“ als Berliner Kommissar Bruno Schumann ermittelt, fand eine freundlichere Aufnahme als Ulrich Tukurs als ziemlich verstiegen empfundener Roman „Der Ursprung der Welt“.

Für die Verlage sind die schreibenden Schauspieler allerdings in jedem Fall ein Bombengeschäft, denn prominente Autoren verkaufen sich einfach besser als die allermeisten professionellen Schriftsteller, die oft nur wenige kennen. Der Autorenverband PEN hat trotzdem kein Problem mit den dichtenden TV-Kommissaren. „Warum sollen nicht auch Schauspieler zur Feder greifen dürfen?“, sagt die deutsche PEN-Präsidentin Regula Venske auf Anfrage. Bei Stars wie Tukur, Brandt und Co. sei die Fallhöhe zwar groß. „Aber wenn es gelingt, so sei ihnen ihr Erfolg von Herzen gegönnt“, unterstreicht die Präsidentin des in Darmstadt ansässigen PEN-Zentrums Deutschland.

Venske hat sich selbst als Autorin von Kriminalromanen und Jugendbüchern einen Namen gemacht und wurde 1996 für ihren Krimi „Rent a Russian“ mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet.

Dass sich Schauspieler künstlerisch auch anderweitig verwirklichen, ist für Regula Venske völlig legitim. Schließlich gebe es auch „Poeten, die erst berühmt werden, wenn sie auch zu singen anfangen, wie the one an only Leonard Cohen“.

Es gibt Romanautoren, die zugleich exzellente Pianisten sind wie Yorck Kronenberg. Und es gibt Bildende Künstler, die sogar literaturnobelpreiswürdige Romane schreiben, wie der verstorbene Ehrenpräsident des deutschen PEN-Zentrums, Günter Grass, verweist Venske auf einen der bekanntesten deutschen Autoren der Nachkriegsliteratur. Günter Grass (1927–2015) begann seine Künstlerkarriere einst als Bildhauer, schrieb in den 1950er-Jahren den Welt-Bestseller „Die Blechtrommel“ und erhielt 1999 für sein Lebenswerk den Nobelpreis für Literatur.

Vom Nobelpreis sind die schreibenden TV-Kommissare zwar noch weit weg, aber zumindest im Vermarkten ihrer Bücher sind sie ganz groß: Berkel, Tukur und Co. geben Interviews, absolvieren Auftritte bei Buchmessen und sind wegen ihrer TV-Prominenz gern gesehene Gäste in Talkshows wie der „NDR Talkshow“ oder „3 nach 9“.

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