Toto feiert sich und seine Fans mit „Africa“

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Steve Lukather (links) und Toto-Sänger Joseph Williams boten in Stuttgart den originalgetreuen Klang der 80er-Jahre – ohne Light
Steve Lukather (links) und Toto-Sänger Joseph Williams boten in Stuttgart den originalgetreuen Klang der 80er-Jahre – ohne Lightshow und sonstigen Schnickschnack. (Foto: Steffen Schmid)
Schwäbische Zeitung
Veronika Renkenberger

Toto – das sind über 40 Jahre Bandgeschichte und eine ganze Reihe ewiger Hits. Das percussiongetragen tröpfelnde „Africa“, das wohl jeder mal als A-cappella-Version eines sich für progressiv haltenden Chors gehört hat. Das dank Gitarrenriff in drei Sekunden identifizierbare „Hold the Line“, „Rosanna“ mit vertracktem Rhythmuswechsel. Und natürlich das optimistische „Stop loving you“. Ja, genau so klangen die Achtziger. Und der Dienstagabend in Stuttgart auch, zu dem 6000 Getreue in der Porsche-Arena gekommen waren.

Aktuell tourt die 1976 gegründete Formation um die Welt, um ihr frisch gepresstes Jubiläumsalbum „40 Trips around the Sun“ zu zelebrieren: Greatest Hits und Geheimtipps plus drei neue Songs, in denen auch alte Aufnahmen mit verstorbenen Bandmitgliedern verarbeitet wurden.

Der typische Toto-Gast am Dienstag war männlich, über 50 und ernsthaft. Über weite Teile des Abends wirkten die Massen ungerührt, nur hier und da Kopfbewegungen im Rhythmus. Aber davon durfte man sich nicht täuschen lassen: In Toto-Fans und Toto-Nerds lodert ein Feuer, das unvermutet ausbricht. Beispielsweise als Gitarrenlegende Steve Lukather oder das zweite Gründungsmitglied David Paich am Keyboard minutenlange Soli spielten und dafür bejubelt wurden, wie das heute kaum noch üblich ist.

Eins ist klar: Musikalisch macht den älteren Herren keiner etwas vor. Lukather mit seiner Allstar-Biografie – er spielte, beispielsweise für Paul McCartney Michael Jackson, Elton John, Eric Clapton und Joe Cocker – entlockt Gitarren unfassbare Klangwelten, Effekte und Energie. Die Stimme von Williams ist bemerkenswert gut gereift. Mit zwei Mann an Tasten und zwei Mann für Schlagzeug und Percussion war der opulente Sound gesichert.

Genau, Sound. Mehr braucht es da nicht: Ein Toto-Konzert ist auch eine Zeitreise in die Ära, als Konzerte noch daraus bestanden, Musikern zuzuhören. Keine Videos, Leinwände und Großaufnahmen. Sondern eine mäßige Lightshow und ein schwarzes Tuch als Bühnenhintergrund, das bestenfalls mal bunt beleuchtet wurde. Und das Allerschönste: Auch das Publikum war kaum illuminiert. Das permanente Glimmen von Displays, das inzwischen die Hallen prägt, hatte am Dienstag meist Pause.

Für den Mittelteil des Konzerts rückte man enger zusammen. In kleiner Runde erzählten die Veteranen von damals: Wie einer die Song-Idee hatte und der andere was draus machte. Zwischendurch wurden Songs angespielt, Schnipsel. Das Publikum ging gern mit auf Zeitreise. Nach gut zwei Stunden, nach leisen Tönen und pathetischem Abrocken war es Zeit: „Are you ready für ,That Song’?“ Eine rhetorische Frage. „Africa“ kam ohne sanftes Regenprasseln daher, sondern vom ersten Takt als solider Klatsch und Stampf. Eine gigantische extended version, die in einen ebenso extended Riesenapplaus mündete. Auch der ganz alten Schule.

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