Tonbandgerät im Interview

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Tonbandgerät sind im Oktober mit ihrem neuen Album „Zwischen all dem Lärm“ auf Tour.
Tonbandgerät sind im Oktober mit ihrem neuen Album „Zwischen all dem Lärm“ auf Tour. (Foto: Dennis Dirksen)
Schwäbische Zeitung

Live: 25.10. Freiburg, Waldsee; 26.10. Stuttgart, Club Cann; 27.10. München, Strom.

Mit „Zwischen all dem Lärm“ erscheint am Freitag das dritte Album der Indiepopband Tonbandgerät. Daniel Hadrys hat mit Ole (Gesang, Keyboard), Isa (Bass) und Jakob (Schlagzeug) über die dort vertretenen Themen, die Kollaboration mit Turbostaat-Sänger Jan Windmeier und den Plan B der Musiker gesprochen.

Was sind denn die Themen eures aktuellen Albums?

Ole: Wir haben die Band als Schüler gegründet und sind Schritt für Schritt weitergegangen. Die Bühnen wurden größer, es kamen mehr Leute. Es lief sehr organisch, wir haben das nie hinterfragt. Nach dem zweiten Album haben wir plötzlich gemerkt: Irgendwas funktioniert hier gerade nicht. Wir hatten Stress mit dem Label. Sophia hat 40 Songs geschrieben. Es war nie so, dass alle das megageil fanden. Wir haben dann noch Songs in anderen Konstellationen geschrieben. Es war so viel Krach um uns. Das hat dazu geführt, dass wir zusammengekommen sind und geschaut haben, worauf wir Bock haben. „Zwischen all dem Lärm“ beschreibt das ganz gut.

Sophia schreibt die Texte. Wie viel Ole steckt denn in den Songs?

Ole: Man textet über das, was um einen herum passiert. Wir haben in den letzten Jahren so viel zusammen erlebt, dass das die gemeinsame Lebenswirklichkeit wurde.

Im Song „Brennesselblumen“ singst du: „Tschüss Karriereleiter – Ich nehm‘ die Graustufen“. Habt ihr einen Plan B?

Ole: Wir haben jeder ein Studium angefangen, jeder etwas anderes. Drei haben zu Ende studiert, ich auf Lehramt.

Isa: Ich studiere noch Jura. Der Plan ist, dass ich irgendwann vielleicht Musikrecht mache.

Jakob: Wir sind nicht die klassischen Musiker, die eine Ausbildung an einer Musikhochschule gemacht haben und alles auf den Erfolg einer Band setzen. Nach der Schule war irgendwann klar, dass wir mit der Musik weitermachen, weil das unsere Leidenschaft ist. Das war aber nie das erklärte Ziel, der Größte zu werden. Seit sechs, sieben Jahren können wir davon leben.

Ein Song auf eurem neuen Album heißt „Reisegruppe Angst und Bange“. Wovor fürchtet ihr euch?

Ole: Gerade passiert sehr viel um uns herum. Der Song ist aus diesem Gefühl heraus entstanden, irgendwas geht gerade zu Ende. Beispielsweise wenn einer sagt: Ich hau ab, und alles bricht zusammen. Oder das Gefühl des letzten Sommers, bevor die Schule zu Ende geht, und danach geschieht etwas Großes.

Jan Windmeier, Sänger der Deutschpunkband Turbostaat, singt in dem Song mit. Wie ist es dazu gekommen?

Ole: Wir sind alle große Turbostaat-Fans. Wir fanden den Kontrast ziemlich cool. Ein Turbostaat-Feature würde der Tonbandgerät-Fan nicht erwarten. Unser Produzent hat auch mit der Band zusammengearbeitet, Jan hatte Lust darauf.

Künstler und Bands wie Revolverheld oder Mark Forster sind gerade sehr erfolgreich. Habt ihr das Gefühl, dass die Zeiten für deutschsprachigen Pop günstig sind?

Jakob: Man sieht schon, dass deutschsprachiger Pop viel größer geworden ist. Tonbandgerät gibt es mittlerweile auch seit elf Jahren. Als wir angefangen haben, war das noch nicht so verbreitet. Es gibt immer mehr Künstler, die deutschsprachige Musik machen und damit ein großes Publikum anziehen.

Isa: Ich habe eher das Gefühl, dass es etwas rückläufig ist. Unsere Gitarristin Sophia schreibt die Songs. Sie hatte das Gefühl, dass sie sich auf Deutsch besser ausdrücken kann. Sie hat sich nicht aufgrund irgendeines Trends dazu entschlossen.

Ole: Als wir 2007 angefangen haben, war das sehr uncool, es gab Silbermond, Revolverheld und Tokio Hotel. Auf der anderen Seite gab es die Hamburger Schule um Kettcar, in deren Umfeld wir auch aufgewachsen sind. Das ist aber ganz klar kein Pop.

Wieso habt ihr euch damals nicht für die Hamburger Schule entschieden?

Isa: Wir haben das früher viel gehört. Als wir angefangen haben, waren wir große Fans von Tocotronic und Blumfeld. Es hat sich aber so ergeben, dass wir Popmusik machen.

Ole: Am Anfang waren wir auch deutlich punkiger. Wir haben aber gemerkt, dass uns das nicht steht. Wir haben herumexperimentiert und sind dort gelandet, wo wir gerade sind.

Haben Künstler, die auf Deutsch singen und hierzulande viele Menschen erreichen, eine besondere Verantwortung?

Ole: Als Band spricht man mehr über so etwas. Wir haben zu einer Single eine Aktion gestartet „Ich komm jetzt heim“. Wir haben zusammen mit Flüchtlingen Kunst gemacht und ein großes Konzert für Amnesty International gespielt. Das hat sich gut angefühlt.

Isa: Ein politischer Schwerpunkt war nicht unser Ansatz, als wir diese Band gegründet haben. Es war wichtig, dass wir unsere Meinung trotzdem kundtun. Die muss aber nicht in jedem Song stecken.

Ole: Je länger man Musik macht, desto mehr arbeitet man sich an Themen ab, die einen beschäftigen.

Live: 25.10. Freiburg, Waldsee; 26.10. Stuttgart, Club Cann; 27.10. München, Strom.

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