Thriller über korrupte Cops in New Orleans

Lesedauer: 4 Min
 Harte Cops: Milo „Mouse“ Jackson (Tyrese Gibson) und Alicia West (Naomie Harris).
Harte Cops: Milo „Mouse“ Jackson (Tyrese Gibson) und Alicia West (Naomie Harris). (Foto: Sony Pictures)
Stefan Rother

Die Sichtweise macht den Unterschied: Erwartet man von „Black and Blue“ ein starkes Statement zu unvermindert drückenden sozialen Problemen der Vereinigten Staaten, dürfte die im Kern recht konventionelle Geschichte um korrupte Cops wohl doch eher etwas enttäuschen. Sieht man den Film von Deon Taylor dagegen als klassischen Actionfilm, der sich nicht scheut, auch einige unangenehme Fragen zu thematisieren, fällt das Urteil schon deutlich positiver aus.

Unterschiedliche Perspektiven machen auch der Nachwuchspolizistin Alicia West (Naomie Harris) das Leben schwer. Für ihre Kollegen im Police Department von New Orleans ist sie noch der unerfahrene „Rookie“ und als schwarze junge Frau zudem klar eine Ausnahme. Für die Bewohner des Viertels, in dem sie aufwuchs, bevor sie sich als Soldatin für die US-Armee verpflichtete, ist die Rückkehrerin dagegen eine Verräterin: Zwar ist die Kriminalität in der Gegend hoch, die Polizei sehen die meisten dennoch als zusätzliche Bedrohung.

Dieses Spannungsverhältnis macht der Film gleich zu Beginn auf wenig subtile, aber effektive Weise klar: Alicia joggt mit Kapuzenpulli durch die Straßen, als sie willkürlich von zwei weißen Polizisten gestoppt und gewaltsam festgehalten wird. Entwarnung gibt es erst, als diese ihren Dienstausweis finden und feststellen müssen, dass sie ebenfalls „Blue“ ist – gemeint ist die Uniformfarbe der Polizei.

So leicht kommt die Afghanistan-Kriegsveteranin aus der nächsten schwierigen Situation nicht heraus: Als sie kurzfristig die Schicht eines Kollegen übernimmt, wird sie zufällig Zeugin, wie ihr Streifendienstpartner und zwei ihrer Kollegen einen unbewaffneten jungen Drogendealer hinrichten. Als diese merken, dass sie eine Schutzweste mit Bodycam trägt, die das Geschehen aufzeichnet, versuchen sie, Alicia West ebenfalls auszuschalten. Nun ist Alicia vor den korrupten Polizisten um Terry Malone (Frank Grillo) auf der Flucht – in ihrem früheren Viertel kann sie dabei aber nur auf wenig Unterstützung hoffen.

Diese erste Fluchtszene gehört zu den Aspekten, die den Film trotz reichlich Klischees über den Cop-Thriller-Durchschnitt herausragen lassen. Denn für die Kameraarbeit ist Hollywood-Veteran Dante Spinotti („Heat“, „L.A. Confidential“) zuständig und er inszeniert die Szenen, als würde sich die frühere Soldatin wieder im Häuserkampf befinden.

Die entscheidende Stärke des Films ist aber sicherlich Hauptdarstellerin Naomie Harris, die bereits als Eve Moneypenny in den letzten James-Bond-Filmen ebenso glänzte wie im preisgekrönten Drama „Moonlight“. Hier verleiht sie ihrer Figur trotz weniger Hintergrund Tiefe und Glaubwürdigkeit. Ebenfalls überzeugen kann Tyrese Gibson als ihr eher widerwilliger Fluchthelfer Milo „Mouse“ Jackson; der Rapper und Schauspieler, der für seine überdrehten Auftritte in den „Fast and Furious“-Filmen bekannt ist, spielt hier angenehm zurückhaltend.

Die meisten anderen Figuren geraten dagegen eher eindimensional und mit der Zeit dominieren die klassischen Szenen mit Verfolgungsjagd und Schusswechseln. So bleibt am Ende ein vielleicht etwas überlanger, aber durchaus spannender Actionfilm – und ein klares Plädoyer für den Einsatz von Bodycams.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen