Theaterkritik: „Die Räuber“ in Ulm

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 Franz (Benedikt Paulun) bringt seinen Vater (Gunther Nickles) zur Verzweiflung.
Franz (Benedikt Paulun) bringt seinen Vater (Gunther Nickles) zur Verzweiflung. (Foto: Martin Kaufhold)

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Aufbrüche aller Orten, nicht nur an der Stuttgarter Oper. Auch das Theater Ulm hat eine neue Leitung bekommen. Im Musiktheater startete Intendant Kay Metzger mit der Märchenoper „Das schlaue Füchslein“, im Sprechtheater mit dem Klassiker „Die Räuber“. Jasper Brandis hat Schillers Drama inszeniert – so salopp, dass auch die Schüler mit dem Sternchenthema etwas anfangen können.

Die Moors sind bekanntlich ein ungleiches Brüderpaar: Karl ist beliebt, Franz unsympathisch. Der eigene Vater bevorzugt Karl und sieht dem charmanten Hallodri das Lotterleben nach. Franz, die Kanaille, nimmt ihm das übel und intrigiert. Zuerst bringt er den Vater dazu, seinen Liebling zu verstoßen, dann räumt er den Vater selbst aus dem Weg. Und Karl? Liebt die Freiheit, hasst die Konvention und das untätige, „tintenklecksende Säkulum“. Er wird zum Anführer einer Bande, die der Gesellschaft ordentlich einheizt. Am Ende muss er feststellen, dass auch ein politischer Mord ein Mord ist.

Groteske Übertreibungen

In den Jahren, die auf 1968 folgten, wurde Schillers Drama nur allzu gern gespielt: „Die Räuber“ als historischer Kulissenzauber für die Baader-Meinhof-Bande. Das ist nun seinerseits schon Geschichte. Aber was fällt dem Theater heute ein? Regisseur Jasper Brandis versucht erst gar nicht, die Story darzustellen. Die scheint allenfalls in grotesker Übertreibung auf. Gunther Nickles hört man ganz am Ende einmal mit seiner wirklichen Stimme sprechen, ansonsten muss er greinend und krächzend den alten Moor als Tattergreis im Rollstuhl mimen. Im Prinzip konzentriert sich die Regie auf die Monologe des Brüderpaars, der Rest wird samt der Regieanweisungen frontal zum Publikum aufgesagt. Das machen sie gut, die Räuber-Darsteller (Maria Luisa, Fabian Gröver, Lukas Schrenk, Stephan Clemens, Jakob Egger). Maurizio Micksch und Benedikt Paulun stehen dabei als Karl und Franz Moor im Mittelpunkt und zeigen, dass sie den Schiller-Text beherrschen: stehend auswendig, sozusagen.

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