„Tatort“-Kritik: „Unter Kriegern“

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Meike (Lina Beckmann) hat Angst vor ihrem gewalttätigen Mann, Joachim Voss (Golo Euler).
Meike (Lina Beckmann) hat Angst vor ihrem gewalttätigen Mann, Joachim Voss (Golo Euler). (Foto: dpa)
Birgit Kölgen

Ravensburg - Am Anfang läuft Carridi (Bruno Cathomas), der kultivierte Chef der Frankfurter Mordkommission, durch eine Unterführung und wird von irgendeinem Kerl ins Gesicht geschlagen. Einfach so. Die kleine Episode der Gewalt ist in diesem verstörenden Krimi nur eine Art Hinweis auf den Zustand einer moralisch verrotteten Gesellschaft. Die mütterliche Kommissarin Anna Janeke (Margareta Broich) und ihr Kollege Brix (Wolfram Koch) ermitteln im Fall eines elfjährigen Jungen, der unter einem Sportzentrum in einen Heizkessel eingeschlossen und dem langsamen Tod überlassen wurde. Regisseurin Hermine Huntgeburth zeigt in kurzen Flashbacks das Sterbenselend des Kindes. Sie lässt keine Gleichgültigkeit zu.

Kaum auszuhalten sind die Aggressionen der Verdächtigen. Da gibt es den cholerischen Hausmeister und seinen obskuren Sozialtherapeuten. Und es gibt den Manager des Zentrums, Voss, einen geschniegelten Sadisten, der, von Panik getrieben, seine unscheinbare Frau und seinen Sohn schikaniert. Der Junge, Felix, ist ehrgeizig und seltsam. Er beschimpft seine Mutter, verfolgt eine Mitschülerin, lässt eine gestürzte alte Frau einfach liegen. Das Publikum sieht in diesem ambitionierten, mit Psychologie schwer beladenen Thriller mehr als die hilflosen Kommissare. Es sieht die Wahrheit, und die ist verheerend. Wer entspannen will, sollte umschalten.

Tatort: Unter Kriegern (Sonntag, ARD, 20.15 Uhr)

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