„Tatort“-Kritik: „Tier der Großstadt“

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Berliner Tristesse
Berliner Tristesse (Foto: colourbox)

Vorgeschmack auf den frostigen Winter gefällig? Dann ist dieser „Tatort“-Fall aus Berlin richtig. Denn nicht nur die Jahreszeit, in der die beiden Leichen gefunden werden, ist kalt. Auch die Atmosphäre zwischen Kommissarin Rubin (Meret Becker) und Kollege Karow (Mark Waschke) ist deutlich frostig. Und so arbeiten sie auch mehr nebeneinander her als miteinander. Jeder schnappt sich quasi den Fall, der ihm/ihr am ehesten zusagt.

Bei dem wohl nie aus seiner Lebenskrise herauskommenden Karow ist es der Mord im vollautomatisierten Coffeeshop, in dem der Besitzer tot kniet – erdolcht von der Barista-Nadel, die eigentlich die Herzchen in den Milchschaum des Cappuccinos zaubern soll.

Die im Gegensatz zu ihrem Kollegen erfreulich fidele Nina Rubin gibt sich nicht damit zufrieden, den Tod einer Joggerin einfach als Unfall zu deklarieren. Die Obduktion legt nämlich den Angriff von Wildschweinen nahe, die in den Wäldern Berlins wohl zu einer Art Plage geworden sind.

Die Schauspieler sind klasse, Regisseur Roland Suso Richter ist ein routinierter Meister seines Fachs – und so ist es eigentlich erstaunlich, dass man diesen „Tatort“ dennoch nicht unbedingt gesehen haben muss. Vielleicht möchte man aber auch nach dem langen, warmen Sommer nicht in diese Berliner Tristesse eintauchen ...

Tatort: Tiere der Großstadt (So., ARD, 20.15 Uhr)

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