Tagung zum Thema „Humor und Religion“

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Das Fürstenportal am Bamberger Dom zeigt Christus als Weltenrichter. Rechts von ihm stehen die lachenden Verdammten.
Das Fürstenportal am Bamberger Dom zeigt Christus als Weltenrichter. Rechts von ihm stehen die lachenden Verdammten. (Foto: Special Moments)
Barbara Waldvogel

Theologen diskutieren in der Katholischen Akademie Hohenheim zur Angst vorm Lachen.

„Warum sind Ameisen nicht katholisch? Ameisen sind alle Insekten.“ In Sekten … Manchmal braucht es ein bisschen Zeit, bis man versteht und lachen kann. Aber dann umso intensiver, was der Gesundheit zugutekommt. Denn Lachen ist gesund. Von den 656 Muskeln des menschlichen Körpers werden dabei immerhin 80 aktiviert. Das wiederum entspannt den Geist. Diese Weisheiten wurden nicht etwa bei einem Lach-Yoga-Kurs vermittelt, sondern in der Katholischen Akademie Hohenheim bei Stuttgart.

„Humor und Religion“ war das Thema der Tagung, zu dem Studienleiter Thomas König kurz vor dem Trauermonat November eingeladen hatte. Aus gutem Grund. Denn Humor kann in den Religionen durchaus ein ernstes und mitunter auch trauriges Kapitel sein. Zum Beispiel wenn Mohammed-Karikaturen Fanatiker zum Morden animieren. Wird der Prophet mit einer Bombe unter dem Turban stellvertretend für Gewalttaten dargestellt, dann ist Schluss mit lustig, erklärte Hussein Hamdan, Islamwissenschaftler und Mitarbeiter der Akademie.

Doch solche Extreme waren eher Randthemen. Vielmehr spürten die Referenten dem Lachen in der christlichen, jüdischen und islamischen Religion nach. Und da ist es gar nicht so einfach, Humorvolles zu entdecken. So lässt sich nach Aussagen des Berliner Religionswissenschaftlers Harald-Alexander Korp im Neuen Testament keine einzige Stelle finden, in der Jesus lacht, obwohl er etwa bei der Hochzeit von Kana mitfeiert und dort sogar Wasser in Wein verwandelt. Aber warum lacht Jesus nicht? Einer von Korps Studenten hatte einmal eine logische Erklärung parat: „In der Bibel ist halt nicht alles festgehalten. Es steht ja auch nicht drin, dass er aufs Klo gegangen ist.“

Furcht vor Autoritätsverlust

Menschliche Regungen bei Jesus scheinen also nicht ins Buch der Bücher zu passen. Korp hat dafür auch einen Verantwortlichen ausgemacht: Paulus. „Jesus entstand an seinem Zeichentisch.“ Mit anderen Worten: Der Apostel hat das transportiert, was ihm als Zeugnis von Gottes Sohn wichtig war. Und da gehörte das schallende Lachen ganz offensichtlich nicht dazu. Doch Jesus hat gelacht. Da ist sich die jüdische Theologin und Kabarettistin Rivka Hollaender ganz sicher.„Er war doch Jude, und dann hat er auch das Purimfest gefeiert.“ Beim Purimfest wird viel gelacht und noch mehr getrunken.

Im Christentum galt Humor über Jahrhunderte hinweg als subversiv. Wer während des Gottesdienstes kicherte, wurde von der Eucharistie ausgeschlossen. Denn groß war die Angst der Kirche vor Autoritätsverlust. Lachen konnte die Furcht nehmen. Und ohne Furcht würde es bald auch keine Gläubigen mehr geben, so lässt Umberto Eco in seinem Mittelalter-Roman „Im Namen der Rose“ den mörderischen Mönch Jorge sagen. Der tötet bekanntlich alle, die im Komödienbuch von Aristoteles lesen, denn der Grieche hatte das Lachen als ein Erbe der Götter bezeichnet. Diese Art von Denken war wohl im Mittelalter sehr verbreitet.

Das ist zwar schon geraume Zeit her, aber lustig geht es in den Gottesdiensten auch heute eher selten zu. Lachen schickt sich immer noch nicht, wenn ernsthaft über Gott und die Welt gepredigt wird. Es sei denn, der Pfarrer hält eine Fastnachtspredigt oder die Auferstehung wird mit einem traditionellen Osterlachen gefeiert, das wieder in Mode kommt.

Ein humorvoller Gott

„Wenn Gott keinen Humor hat, dann möchte ich nicht in den Himmel.“ Von Martin Luther soll dieser Spruch stammen. Der Kabarettist Christoph Sonntag aus Waiblingen zitierte ihn bei seinem erfrischend amüsanten Statement, und der Tübinger Professor Thomas Vogel filterte aus dem Alten Testament dann auch Zitate heraus, die auf einen durchaus humorvollen Gott schließen lassen: So darf Sarah lauthals lachen, als ihr im hohen Alter die Geburt ihres Sohnes Isaak verkündet wird. Der Name Isaak wiederum bedeutet so viel wie „Gott lächelte“, und in den Psalmen ist viel vom Lachen die Rede.

Tatsächlich scheint es aber im Judentum lustiger zuzugehen, wenn man Rivka Hollaender Glauben schenkt. Allein schon der Gottesdienst in der Synagoge sei nicht frei von humorvollem Chaos. Dazu tritt dann aber auch eine Tiefendimension: „Wenn man über sich selbst lacht, verkraftet man vieles besser“, erklärte sie zum jüdischen Witz. Und verkraften mussten Juden schon sehr viel.

Aber Islam und Humor – geht das auch? Das geht, laut Hussein Hamdan. Als Beweis gab er witzige Anekdoten von Nasreddin Hodscha, dem Eulenspiegel des Orients aus dem 13./14. Jahrhundert, zum Besten. Und der Prophet Mohammed selbst wird ja auch als humorvoller Privatmann skizziert. Lässt er es doch zu, dass seine Ehefrau ihre Freundin mit dem Mittagsmahl bewirft, weil diese es verschmäht hat. Mehr noch: Er macht auf dem Sofa Platz, damit sich die Freundin revanchieren und Mohammeds Frau das Essen ins Gesicht schleudern kann. Die Geburtsstunde der Tortenschlacht.

Die Arroganz des Geistes

Dass ein solches Bild von Mohammed den Islamisten zuwider ist, steht außer Frage. Auch sie sollten allerdings wissen, was quasi die Quintessenz dieser Hohenheimer Tagung war: Ein Glaube ohne Lachen ist Arroganz des Geistes. Eine Wahrheit, die nie von Zweifel befallen werde, sei unmenschlich, hält der Franziskanermönch William von Baskerville bei Eco dem fanatischen Mörder in Kutte entgegen. Wie wahr.

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