Sprachplauderei: Maria Immatriculata
Sprachplauderei: Maria Immatriculata (Foto: colourbox.de/hil)
Rolf Waldvogel

Dieser Tage meldete „Spiegel-Online“, das Bundeskriminalamt habe Probleme bei der Besetzung von Stellen, weil die Bewerber trotz Abitur den Deutschtest nicht schafften. Deswegen werde schon überlegt, die Anforderungen abzusenken. Auf die Idee, eine bessere Rechtschreibschulung einzuklagen, scheint schon niemand mehr zu kommen.

So weit, so schlecht. Aber wohl zeittypisch. Eingeblockt in den Artikel war Werbung für eine neue Methode zum Fremdsprachenlernen. Titel: „Sprache Schnell in die Birne?“ Man stutzte wegen des falschen großen S, stieg in den Text ein, und da ging es dann so weiter: „Du kannst nach wenigen Minuten den Kotext verstehen (…) Innerhalb weniger Worchen kannst du eine Fremdsprache lernen.“ Von den fehlenden Kommas ganz zu schweigen.

Natürlich passieren immer Fehler – unter Zeitdruck, aus Unachtsamkeit, aus Unkenntnis. Aber die Häufung allerorten stimmt doch bedenklich. Dabei drängt sich zweierlei auf: Entweder das Rechtschreib-Niveau sinkt allgemein – was viele Ursachen haben kann, von falscher Gewichtung im Unterricht über die Leseunlust der Jugend bis zur unausgegorenen Rechtschreibreform. Oder aber die Wurstigkeit im Umgang mit den Orthografie-Regeln steigt in Zeiten des schnellen Internet-Schriftverkehrs rapide an. Leider spricht vieles dafür, dass beides zusammenkommt.

Aber um jetzt nicht den Vorwurf zu riskieren, hier werde immer nur auf anderen herumgehackt und nicht vor der eigenen Tür gekehrt: Gerade hebt in unserer Zeitung und ihrem Online-Portal wieder die hohe Zeit der Weihnachtsfeiern in der Kindergrippe an. Erste Opfer sind schon zu beklagen. Und weil es gerade passt, noch ein besonders hübscher Fehler aus früheren Jahren, ebenfalls hausgemacht:

Gestern wurde das Fest Mariä Empfängnis gefeiert, auf Lateinisch Immaculata Conceptio, wörtlich Unbefleckte Empfängnis. Wobei sich diese Empfängnis – ein altes Fehlurteil, auch unter Katholiken – nicht auf Jesus bezieht, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, sondern auf Maria selbst. Sie hatte zwar mit Joachim und Anna leibliche Eltern, wurde aber – weil von Gott als Mutter seines Sohnes vorgesehen – ohne Erbsünde geboren, also ohne Makel, als Maria Immaculata.

Unzählig sind die Darstellungen dieser Maria Immaculata, mit Sternenkranz, auf einer Weltkugel stehend, um die sich eine Schlange windet, als Symbol der Erbsünde. Über eine solche Figur schrieb einst ein sehr gebildeter Kollege. Aber auch er war gegen eine kurze Fehlzündung nicht gefeit. Und in der Zeitung stand dann Maria Immatriculata.

So wurde die Passage im Weihnachtsevangelium nach Lukas – und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt – schlichtweg neu interpretiert. Es war damals nicht um eine Registrierung aus steuerlichen Gründen gegangen, sondern um die Einschreibung an der Universität von Bethlehem.

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