Shvpes im Interview

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Griffin Dickinson (vorne) und Herry Jennings (links) arbeiten mit ihrer Band Shvpes am zweiten Album.
„Wir brauchen einen dunklen, deprimierenden Raum, um unsere Musik zu schreiben“ (Foto: pr)
Schwäbische Zeitung

Sich abzugrenzen von den Eltern: Das scheinen wohl auch Kinder von Rockstars zu tun. Griffin Dickinson, Sohn von Metal-Ikone und Sänger von Iron Maiden, Bruce Dickinson, nennt zumindest andere Bands als Inspiration als die seines Vaters. Seine Band Shvpes (gesprochen: Shapes) arbeitet derzeit an ihrem zweiten Album. Im Gespräch mit Christiane Wohlhaupter erzählen der 25-Jährige und Harry Jennings (Schlagzeug) von der Arbeit daran und der ungewöhnlichen Schreibweise ihres Namens.

Griffin, wer ist der bessere Musiker: du oder dein Bruder, der in der Band As Lions ist?

Griffin: Mein Bruder. Ich kann gut schreien – er kann alles andere gut.

Was hat es denn mit der sonderbaren Schreibweise „Shvpes“ auf sich?

Griffin: Also, wenn du „Shapes“ googelst und dort eine Bild unserer Band entdeckst, bin ich bereit den Bandnamen sofort zu ändern. Ich garantiere dir, du wirst vor allem Gegenstände in bizarren Formen finden. Aber sobald du „Shvpes" googelst, kommen nur wir. Bei Youtube ist es das gleiche.

Harry: Es ist auch eine Hommage an Hip-Hop. Viele Hip-Hop-Künstler ersetzen Buchstaben durch andere.

Welche Berufsvorstellung hattet ihr früher?

Harry: Ich wollte immer in einer Band spielen.

Griffin: Die ersten fünf Jahre meines Lebens wollte ich Batman sein. Und dann habe ich festgestellt, dass dafür meine Eltern sterben müssten. Dann wollte ich nicht mehr Batman sein. Ich habe 2002 Funeral for A Friend gesehen – und in der nächsten Woche Schlagzeugspielen angefangen. Von diesem Moment an wollte ich immer in einer Band sein, die Welt bereisen und in einem Bus schlafen.

Harry: Polizist wäre auch nicht schlecht. Als wir Kinder waren, haben wir immer Räuber und Gendarm gespielt. Das war auch mal ein Ziel.

Griffin: Aber der ganze Papierkram würde mich nerven.

Gab es bei euch jemals Hindernisse auf dem Weg zur Musikkarriere, die schwer zu überwinden schienen?

Griffin: Seit ich zehn war, wollte ich in einer Band sein. Ich habe immer versucht, die Leute zusammenzubringen.

Harry: Schwer war es, als die Ära mit unserem früherer Sänger langsam zu Ende gegangen ist. Er war weg und wir haben nicht auf Anhieb jemand neuen gefunden. Aber dann ist Griffin dazugestoßen.

Ihr arbeitet am neuen Album: Wird es schwieriger, sich selbst treu zu bleiben, wenn man mehr Bekanntheit erlangt?

Griffin: Wir haben jetzt ein Gespür dafür, wie unsere Konzerte sein sollten: Da geht es einfach um Energie. Du willst dem Publikum alles geben.

Harry: Wir machen eigentlich auch keine Trennung zwischen uns und dem Publikum. Es ist eine gemeinschaftliche Sache. Bei unserer letzten Tour haben wir zum letzten Song das ganze Publikum auf die Bühne geholt.

Habt ihr euch da manches von anderen Künstlern abgeschaut?

Griffin: Ich habe immer Jason Butler von Letlive bewundert. Ich möchte nicht nachmachen was er gemacht hat. Aber er hat immer verrückte Sachen gemacht.

Harry: Es gibt diese Musiker, die haben keinen Spaß, bis alle anderen Spaß haben. Als Schlagzeuger sitze ich halt meistens – aber ich steh schon mal auf. Hätte ich eine Gitarre, würde ich mitten im Publikum stehen.

Griffin: Vielleicht packen wir dein Schlagzeug ja mal ins Publikum.

Harry: Ja, so wie Twenty One Pilots.

Griffin: Als Kind habe ich Tragedy gesehen. Die kamen einfach auf so Podesten aus dem Nichts. Das war cool. Das will ich auch: einfach aus dem Rauch aufsteigen.

Ist Musik also nur den Aufwand wert, wenn jemand zuhört und zuschaut?

Griffin: Wir sind echt daran gewohnt, vor niemandem zu spielen. Das haben wir lange Zeit gemacht. (lacht). Wenn du es nur drauf anlegst, vor möglichst vielen Menschen zu spielen, ändert das die Art, wie du Musik schreibst. Aber ob wir nun vor zwei oder 2000 Menschen spielen – es wird für uns immer dasselbe bleiben.

Harry: Wir verbringen schon auch gern Zeit im Studio.

Griffin: Das Schreiben ist schon auch ein wunderbarer Teil. Es ist so, wie wenn du einen Zauberwürfel löst und plötzlich alles zusammenpasst.

Harry: Wenn du mit einer Gruppe Musiker zur selben Zeit dasselbe spielst: Das ist schon ein unglaublich gutes Gefühl.

Ist das Tourleben gut für Inspiration?

Griffin: Die Tour ist der schlechteste Ort für Inspiration.

Harry: Es lenkt dich nur ab.

Dickinson: Das einzige Mal, dass uns auf Tour was inspiriert hat, war vielleicht, als wir Crossfaith gesehen haben. Aber sonst brauchen wir einfach einen dunklen, deprimierenden Raum, um unsere Musik zu schreiben.

Wie wird sich euer neues Album vom ersten unterscheiden?

Griffin: Ich glaube, es wird deutlich mehr aus einem Guss sein.

Harry: Man wird unseren Stil schon erkennen. Aber es wird viel besser.

Zieht es euch da manchmal in unterschiedliche Richtungen?

Griffin: Das kann schon mal vorkommen, dass jemand eine Wildcard ausspielen will. Wir haben erst kürzlich einen verdammten Reggae-Song eingespielt. (lacht)

Ohne was ist das Tourleben nicht auszuhalten?

Harry: Man braucht einen Laptop. Da gibt es immer etwas darauf anzusehen. Und natürlich Kopfhörer.

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