Serie: 150 Jahre Bodensee Geschichtsverein: Der Konstanzer Pfennig

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Der Pfennig des Bischofs von Konstanz, um 1250–1270.
Der Pfennig des Bischofs von Konstanz, um 1250–1270. (Foto: Derschka)
Harald Derschka

Dieser Beitrag ist dem Buch „Der Bodensee. Natur und Geschichte aus 150 Perspektiven“ entnommen, das im Oktober, hrsg. von Harald Derschka/Jürgen Klöckler im Verlag Jan Thorbecke erscheint.

Zwischen dem 12. und dem 14. Jahrhundert besaßen der Bodenseeraum und Oberschwaben eine eigene Währung, die sich vom Geld benachbarter Landschaften deutlich unterschied: eine silberne Pfennigmünze, deren Wert und Aussehen in der bischöflichen Münzstätte in Konstanz festgelegt worden waren, und die deshalb von den Zeitgenossen als „Konstanzer Pfennig“ bezeichnet wurde. Das Zeitalter des Konstanzer Pfennigs darf ohne Übertreibung als Blütezeit der Münzprägung am Bodensee betrachtet werden.

Das mitteleuropäische Geldwesen des 12. Jahrhunderts kam im Wesentlichen mit einer Münzsorte aus, dem Pfennig, dessen Wert auf seinem Silbergehalt beruhte. Die Münzstätten in den großen Handelszentren gaben jeweils die Standards für die Münzprägung ihres weiteren Umlands vor. Der wichtigste Markt und die älteste Münzstätte am Bodensee befanden sich am bischöflichen Hof in Konstanz. Dort begann man um die Mitte des 12. Jahrhunderts, die Pfennige einseitig auf dünnes Silberblech zu prägen. Man nannte sie Brakteaten, vom lateinischen Wort „bractea“ für Blech. Gegenüber der zweiseitigen Prägung hatte dies den Vorteil, dass die Münzbilder viel feiner gestaltet werden konnten als bisher. Der für lange Zeit gebräuchlichste Typ des Konstanzer Pfennigs zeigte das Brustbild eines Bischofs – wohl der heilige Konrad als Patron von Bistum und Stadt – in einem Wulstkreis und einem Perlrand.

Bis weit in das 14. Jahrhundert hinein folgten alle Münzherrschaften des Bodenseeraums und teilweise darüber hinaus dem Prägestandard und der Gestaltung der bischöflichen Konstanzer Pfennige. Die Pfennige enthielten einheitlich etwa ein halbes Gramm Silber und unterschieden sich von den bischöflichen Münzen nur darin, dass statt des Bischofs die Wahrzeichen der jeweiligen Münzherrschaft abgebildet waren. Zuweilen sind sie uns heute noch vertraut; so wählten der Abt von St. Gallen den Bär des heiligen Gallus, die Äbtissin von Lindau eine Linde, die königliche Münzstätte in Ravensburg eine Torburg, der Graf von Montfort eine Kirchenfahne. In staufischer und nachstaufischer Zeit war der Konstanzer Pfennig die Währung eines beachtlichen Wirtschaftsraums zwischen der Thur im Süden, der Donau im Norden und der Iller im Westen. Bis zu 18 Münzherrschaften ließen in etwa 27 Münzstätten Konstanzer Pfennige prägen, darunter auch das Chorherrenstift Sindelfingen oder das Hochstift Chur.

Erfolg und Niedergang

Der bedeutendste Produzent der Konstanzer Pfennige war nicht etwa der Bischof von Konstanz, sondern der König. Die Staufer waren bestrebt, Oberschwaben geschlossen ihrer Herrschaft zu unterwerfen; dazu gehörten die Einrichtung und der Betrieb von königlichen Münzstätten, von denen Ulm die weitaus bedeutendste war. Die Prägung der Konstanzer Pfennige fällt mit der Blütezeit des Silberbergbaus im Erzgebirge und weiteren europäischen Fördergebieten zusammen. Sie endete in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, als die Versorgung kleinerer Münzstätten mit Münzsilber schwieriger wurde und das Vordringen des Goldes als Währungsmetall eine grundlegende Umstrukturierung des Geldwesens erzwang.

Dieser Beitrag ist dem Buch „Der Bodensee. Natur und Geschichte aus 150 Perspektiven“ entnommen, das im Oktober, hrsg. von Harald Derschka/Jürgen Klöckler im Verlag Jan Thorbecke erscheint.

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