Schreiben ermöglichen: 40 Jahre Literaturstiftung Oberschwaben

Lesedauer: 6 Min
 Martin Walser beim Festakt 40 Jahre Literaturstiftung Oberschwaben in Meersburg.
Martin Walser beim Festakt 40 Jahre Literaturstiftung Oberschwaben in Meersburg. (Foto: Christian Flemming)

Mit 10 000 D-Mark fing 1978 alles an. 40 Jahre später verfügt die Literaturstiftung Oberschwaben über ein Vermögen von 400 000 Euro. Doch es war nicht das Geld, was am Samstagnachmittag eine kleine Gesellschaft im Meersburger Neuen Schloss zusammenkommen ließ. Es ging auch darum, einen der Väter dieser Stiftung zu ehren: Martin Walser, Nestor der deutschen Literatur und Pate vieler Autorinnen und Autoren aus Oberschwaben. Denn es war Walser, der damals das erste Stiftungskapital aufbrachte.

Die Vorläufer dieser Institution für Literatur in Oberschwaben reichen bis in die unmittelbare Nachkriegszeit zurück, als man mit der ersten Gesellschaft Oberschwaben 1948 einen „geistigen Sammelpunkt“ schaffen wollte. Daran erinnerte Claus-Wilhelm Hoffmann bei dem Festakt, der von dem jungen Friedrichshafener Geiger Ruben Föhr musikalisch begleitet wurde. Aus dieser ersten Gesellschaft heraus entwickelte sich 1967 das Literarische Forum Oberschwaben, gegründet von Walter Münch, Maria Müller-Gögler, Josef W. Janker und Martin Walser. Das Forum war ein Ort des Austausches, man las sich Texte vor, stellte sich der Kritik, diskutierte. Bis heute lädt Oswald Burger jeden Sommer zu einem solchen Treffen nach Wangen ein.

Literaturbegeisterter Pharmachef

Doch was fehlte, war eine Institution, die Autorinnen und Autoren fördert. Die konnte zehn Jahre später etabliert werden. Claus-Wilhelm Hoffmann wurde 1978 als Oberbürgermeister von Biberach Geburtshelfer der Stiftung und ist bis heute ihr Vorsitzender. Eine wichtige Rolle spielte Heinz Saueressig, Chef der Pharmafirma Thomae in Biberach. Er war ein glühender Literaturfreund und Bewunderer Martin Walsers. „So einen wie den haben wir nie mehr im Haus gehabt“, sagte der Schriftsteller beim Festakt über den inzwischen verstorbenen Freund. Saueressig hatte schon eine große Sammlung zu Thomas Mann zusammengetragen und begann nun dasselbe mit Texten von und über Martin Walser.

Als Heinz Saueressig seine Sammlungen veräußern musste, wollte er die 20 000 Mark, die er aus dem Verkauf erlöst hatte, nicht gänzlich für sich behalten und gab die Hälfte an Martin Walser. Der wiederum überließ das Geld der Stadt Biberach. Seine 10 000 Mark wurden zum Grundstock der Stiftung Literaturarchiv Oberschwaben, die dann mit finanzieller Unterstützung des Landes ins Leben gerufen werden konnte. Aus ihr ging 2006 die heutige Literaturstiftung Oberschwaben hervor. Das Ziel, „Sprache und Dichtung im schwäbisch-alemannischen Sprachraum“ zu fördern, ist geblieben.

Dank großzügiger Förderer wie der OEW, der Hugo-Rupf-Stiftung und der Kreissparkasse Biberach aber auch durch private Mäzene wie die Ulmer Familien Freund und Kulitz konnten 44 Projekte finanziert werden. Dazu gehören die Herausgabe der Gesamtwerke der „drei Marien“: Maria Müller-Gögler, Maria Menz und zuletzt Maria Beig. Mithilfe der Literaturstiftung konnten Arbeiten von Bruno Epple, Manfred Bosch oder Hermann Kinder veröffentlicht werden. Der Geschäftsführer der Stiftung, Franz Hoben, organisiert dies alles seit zwölf Jahren – von den Bankgeschäften über Verhandlungen mit Autoren und Verlagen bis zum Lektorat – im Einmannbetrieb. Und das alles ehrenamtlich.

Schließlich hatte der Gründer Martin Walser das Wort. Es dauerte ein wenig, bis die Lesung beginnen konnte. Die Lichtverhältnisse erregten den Unmut des Dichters. Doch glücklicherweise fand sich am Pult eine Leselampe und ein freundlicher Herr aus dem Publikum beleuchtete das Manuskript mit seiner Handytaschenlampe. Martin Walser las aus dem Briefwechsel mit Maria Menz, deren tiefe Gläubigkeit Walser stets tief beeindruckt hat. In einem zweiten Teil trug er den Text „Über das Verbergen der Verzweiflung“ vor. Es ist ein Porträt des Büchner-Preisträgers Arnold Stadler und seiner Romane. Walser lobte den einst von ihm geförderten Schriftsteller als „Selbstbezichtigungsvirtuosen“ mit einem „schreienden Humor“. „Kein Herz und keine Seele – man muss es singen können.“

Stiftung leidet an Nullzinspolitik

Wie geht es weiter mit der Literaturstiftung? Inzwischen verfügt sie über ein Kapital von 400 000 Euro. Das ist nicht wenig. Aber - wie Peter Schneider in seinen Abschlussworten sagte: Auch diese Stiftung leidet unter der Nullzinspolitik. Der Präsident des Sparkassenverbandes Baden-Württemberg ist stellvertretender Vorsitzender der Stiftung. Er ließ durchaus leise Kritik anklingen an Politik und Wirtschaft. Zwar waren ehemalige Minister, allen voran Alt-Ministerpräsident Erwin Teufel, nach Meersburg gekommen, aber kein einziger aktiver. Und auch die Wirtschaft nahm Schneider in die Pflicht. „Wo sind die Patriarchen, die sich für Kultur engagieren?“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen