„Schindlers Liste“ kommt wieder ins Kino

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 Der Spielfilm „Schindlers Liste“ mit Liam Neeson (links) als Oskar Schindler und Ben Kingsley als dessen jüdischer Buchhalter I
Der Spielfilm „Schindlers Liste“ mit Liam Neeson (links) als Oskar Schindler und Ben Kingsley als dessen jüdischer Buchhalter Itzhak Stern kehrt am 27. Januar 2019, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, technisch überarbeitet in die deutschen Kinos zurück. (Foto: Sony Universal Pictures/dpa)
Deutsche Presse-Agentur
Barbara Munker

Als Regisseur von Hits wie „Der weiße Hai“, „Jäger des verlorenen Schatzes“, „E. T.“ und „Jurassic Park“ brachte Steven Spielberg Milliarden in die Kinokassen. Doch erst mit seinem Holocaust-Drama „Schindlers Liste“ wurde er als Filmemacher richtig ernst genommen. Er war 46 Jahre alt, als er vor 25 Jahren sein bis dahin persönlichstes und eindringlichstes Werk in die Kinos brachte und Millionen Menschen in aller Welt rührte und aufwühlte.

Sein Film über den deutschen Industriellen Oskar Schindler, der während des Zweiten Weltkriegs in seiner Krakauer Fabrik über 1100 jüdische Arbeiter vor dem Holocaust rettete, feierte am 30. November 1993 in Washington Premiere. Der US-Kinostart folgte am 15. Dezember 1993, der deutsche Kinostart am 3. März 1994.

Der dreieinhalb Stunden lange Schwarz-Weiß-Film, mit Liam Neeson in der Hauptrolle, wurde mit sieben Oscars ausgezeichnet. Bei der Preisgala im März 1994 wurde Spielberg zum besten Regisseur gekürt und holte als Produzent auch den Oscar für den besten Film. 350 000 Holocaustzeugen seien noch am Leben, sagte der Filmemacher damals. „Bitte hört auf ihre Worte und lehrt das an den Schulen“, appellierte er von der Oscar-Bühne an Lehrer und Erzieher.

Für Spielberg bedeuteten die Dreharbeiten ein „Wiedererwachen“ als Jude. Er hatte das Projekt viele Jahre ruhen lassen, ehe er sich schließlich an das düstere Holocaustkapitel wagte. Der Hollywood-Regisseur drehte über Monate hinweg vor den Toren des einstigen Konzentrationslagers Auschwitz.

Anlässlich des 25. Jahrestags bringt das Studio Universal Pictures den Film am 27. Januar 2019, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, technisch überarbeitet auch in die deutschen Kinos. „Die wahren Geschichten über das Ausmaß und die Tragödie des Holocausts dürfen nie vergessen werden, und die Lehren des Films über die entscheidende Bedeutung der Bekämpfung des Hasses hallen auch heute noch nach“, sagte Spielberg in einer Mitteilung.

Noch im Jahr seines Oscar-Triumphs hatte Spielberg die Shoah Foundation gegründet, mit dem Ziel, die Judenvernichtung durch das Naziregime mit Zeitzeugen-Interviews zu dokumentieren. Die Stiftung hat mehr als 50 000 Betroffene zu Wort kommen lassen, die Videoaufnahmen wurden digitalisiert und katalogisiert. Das riesige Archiv wird weltweit von Schulen und anderen Einrichtungen genutzt.

Es sei einzigartig, dass als Folge eines Films eine Stiftung die weltweit größte Sammlung von Augenzeugenberichten geschaffen habe, sagte der Leiter der Shoah-Stiftung an der University of Southern California in Los Angeles, Stephen Smith, der Deutschen Presse-Agentur. „Wir sind ein Forschungsinstitut geworden, und unsere Inhalte werden von 140 Universitäten und anderen Einrichtungen in 80 Ländern genutzt.“

Mit der neuerlichen Kinoverbreitung von „Schindlers Liste“ werde hoffentlich eine jüngere Generation angesprochen, die den Film vor 25 Jahren nicht gesehen habe, sagt Smith. „Die Botschaft des Films ist unglaublich aktuell. In schwierigen Zeiten wie diesen, wenn wir Hass und Ausgrenzung erleben, sind Werte und Empathie, wie Oskar Schindler sie zeigte, umso wichtiger.“

„Wir müssen Opfern eine Stimme geben“

Stephen Smith (Foto: dpa) leitet Steven Spielbergs Shoah-Stiftung an der University of Southern California in Los Angeles. Im Interview mit der dpa erklärt er, dass der Film „Schindlers Liste“ Holocaust-Überlebende angeregt habe, ihre Geschichte zu erzählen.

Melden sich denn noch Holocaust-Überlebende ?

Auch heute bekommen wir noch Anfragen. Gerade schrieb mir eine Frau, dass ihre 93 Jahre alte Mutter vor ihrem Tod unbedingt noch ihre Geschichte aufzeichnen möchte. Natürlich gehen wir auf solche Bitten ein. Zusätzlich haben wir ein neues interaktives Programm mit dem Namen „Dimensions in Testimony“ mit bisher 20 Zeitzeugen, denen wir jeweils 1000 Fragen zu ihrem Leben gestellt haben. Diese Videoaufzeichnungen werden in Schulen oder Museen interaktiv eingesetzt, so als ob die Zuhörer den Betroffenen selber Fragen stellen können. Gerade arbeiten wir an dem ersten deutschsprachigen Interview für den Schulunterricht in Deutschland in diesem neuartigen virtuellen Format.

Gibt es auch andere Verfolgungsopfer, die befragt werden?

Im vorigen Jahr haben wir Rohingya-Flüchtlinge kurz nach deren Flucht aus Myanmar gesprochen. Das war eine sehr bewegende und niederschmetternde Erfahrung, mit diesen Menschen über das Erlebte zu reden. Doch es ist wichtig, den Opfern eine Stimme zu geben, während Verfolgung und Gewalt stattfinden. Mit ihren Zeugenberichten können wir versuchen, Derartiges zu verhindern. Wir haben auch ein Programm für heutige Opfer von Antisemitismus in aller Welt. Nach Anschlägen auf jüdische Einrichtungen in jüngster Zeit, wie in Brüssel, Toulouse, Kopenhagen und zuletzt in Pittsburgh, reden wir mit Betroffenen. In einigen Fällen treffen wir dabei auf Holocaust-Überlebende, die wir schon vor 25 Jahren befragt haben, und die jetzt im hohen Alter erneut Antisemitismus erleben.

Stephen Smith wurde 1967 als Sohn eines Methodisten-Pastors in England geboren. Nach dem Theologiestudium wirkte er an zahlreichen jüdischen Gedenkstätten und Einrichtungen mit. Seit 2009 ist er Leiter der Shoah-Stiftung.

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