Salman Rushdies neuer Roman

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Salman Rushdie hat einen neuen Roman veröffentlicht: „Quichotte“
Salman Rushdie hat einen neuen Roman veröffentlicht: „Quichotte“ (Foto: Henning Kaiser/dpa)
Deutsche Presse-Agentur
Alexandra Stahl

Trash-TV, Drogenkrise, Rassismus, Cyberwar, Familienclash: In Salman Rushdies neuem Roman geht es um alles und vielleicht um zu viel. „Quichotte“ ist ein opulentes Werk rund um einen Roadtrip durch ein krisengeschütteltes Amerika. Ist das genial oder anstrengend?

Bei Cervantes beschließt Don Quichotte, selbst Ritter zu werden, nachdem er zu viele Ritterromane gelesen hat. Der indisch-britische Autor Salman Rushdie (72) hat dieses Motiv nun adaptiert: In seinem Roman „Quichotte“ schaut der Protagonist Ismail Smile, ein Pharmavertreter, zu viel Reality-TV und will das Herz eines TV-Sternchens erobern. Smile, also Quichotte, ist aber eine Erfindung des Schriftstellers Sam, auch Bruder genannt. Der hat eine komplizierte Familiengeschichte und eine Schwester. Namens Schwester. Alles klar?

„Es war das Zeitalter von Alles-ist-möglich, rief er sich in Erinnerung. (…) Es gab keine Regeln mehr. (…) Eine Frau könnte sich in ein Ferkel verlieben und ein Mann mit einer Eule zusammenleben.“ Und: „Männer mit schlechten Haaren können Präsidenten werden.“

Der Ton von Rushdies „Quichotte“ ist von Anfang an klar: Amerika ist irgendwie am Ende, aber jetzt wird locker geplaudert. Ein heiterer Erzähler erzählt uns die Geschichte mit süffisanter Ironie und holt dafür soweit aus, wie er kann. Die Sätze gehen gerne über zehn Zeilen, bis sie mal einen Punkt finden. Die 21 Kapitel haben zweizeilige Überschriften, die zum Beispiel so lauten: „Quichotte, ein alter Mann, verliebt sich, begibt sich auf die Quest & wird Vater“. Oder so: „Quichotte & Sancho betreten das erste Tal der Quest & Sancho begegnet einem italienischem Insekt“.

Das erste Problem an Rushdies Buch: Es will unbedingt amüsant sein. Das zweite: Es passiert sehr, sehr viel. Er erzählt die Geschichte über mehrere Stränge. Das ist kunstfertig, aber auch anstrengend. In der „New York Times Book Review“ stand ein Verriss: „He is a writer in free fall.“ („Er ist ein Autor im freien Fall.“) Andere Kritiken waren positiv. Und: Rushdie war für den renommierten Man Booker Prize nominiert.

Fast 20 Bücher hat Rushdie geschrieben. Zu den bekanntesten zählen „Mitternachtskinder“ und „Die Satanischen Verse“. 1989 wurde er vom iranischen Revolutionsführer Ajatollah Khomeini zum Tode verurteilt. Die „Fatwa“ ist bis heute nicht aufgehoben.

Über „Quichotte“ sagte Rushdie in einem Interview der „Zeit“: „Ich habe ein Buch über das Ende jener Welt geschrieben, in er ich mein ganzes Leben lang gelebt habe; der Welt, die mit dem Endes des Zweiten Weltkriegs begann. Diese Welt war sieben Jahrzehnte lang stabil. Jetzt ist unser Bild dieser Welt zu Scherben zerschlagen, und wir wissen nicht, was kommt.“

Den Namen Trump meidet er. Auf die Frage, ob das derzeitige Amerika hypnotisiert sei oder hysterisch, antwortete er: „Beides. Aber ich lese das alles nur, sehe nicht mehr fern, ich kann sein Gesicht und seine Stimme physisch nicht ertragen.“

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