Rock für rebellische Mädchen

Lesedauer: 3 Min
Rock für rebellische Mädchen (Foto: pr)
Schwäbische Zeitung
Alyona Mashina

Ich war 13 Jahre alt und hatte einen Traum: Ich musste unbedingt die CD von Ranetki haben. Das ist eine russische Girl-Band. Vom Cover der CD lächelten fünf junge, modisch gekleidete Mädchen, der Name der Band war in rosa geschrieben, die Texte handelten von Liebe und Jungs. Wie gesagt: ein Traum.

Aber keine Missverständnisse: Ranetki war ganz eindeutig eine Rockband – jedenfalls pflegte die Gruppe dieses Image: Die Mädchen spielten Gitarre und Schlagzeug. Und mit ihrem grellen Make-up sahen sie wie echte Rocker aus. Ich war so stolz, dass ich Rockmusik hörte – die Musik für Erwachsene. Ich fühlte mich älter als meine Mitschüler. Ich lernte alle Lieder auswendig und sang sie überall. An meiner Wand klebten Poster von Ranetki. Mit Freunden redeten wir viel über die Band. Und im Internet war ich ständig auf der Suche nach neuen Informationen über die Band.

Es gab auch eine Fernsehserie mit den Mädchen von Ranetki. Ich glaube, ich habe keine einzige Folge verpasst. Die Serie handelte von den fünf Schülerinnen und ihren Beziehungen mit Freunden und Eltern. Da wurden genau die Probleme gezeigt, die alle Teenager gewöhnlich haben – oder zu haben glauben. Das fand ich unheimlich spannend.

Heute ist es ein bisschen peinlich, dass ich diese Band gehört habe. Ihre Popmusik – jaja, es war wohl nie so richtiger Rock – scheint mir jetzt kindisch und naiv. Die Lieder gefallen mir jedenfalls nicht mehr, und die Plakate habe ich schon längst hinausgeworfen. Die CD bewahre ich aber bis heute auf. Als Erinnerung an meinen Mädchentraum.

Alyona Mashina , 20, Studentin aus Moskau, ist bis Mitte September zum Praktikum bei der Schwäbische Zeitung. Sie studiert Journalismus an der Lomonossow Universität und nimmt an einem Programm des Deutsch-Russischen Forums teil.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen