Revolverheld im Interview

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Neuer Anstrich, neue Mode, neues Album – die Band Revolverheld (von links): 
Kristoffer Hünecke, Johannes Strate, Jakob Sinn un
Neuer Anstrich, neue Mode, neues Album – die Band Revolverheld (von links): Kristoffer Hünecke, Johannes Strate, Jakob Sinn und Niels Kristian Hansen. (Foto: Benedikt Schnermann)
Schwäbische Zeitung

Nach fünf Jahren Schaffenszeit hat die Band Revolverheld am 13. April ihr fünftes Album „Zimmer mit Blick“ vorgelegt. Die Songs auf der neuen Platte drehen sich hauptsächlich um die mehr oder weniger komplizierte Liebe. Neben den Album-Aufnahmen waren die vier Freunde in den vergangenen Wochen für TV-Aufzeichnung zu „Sing meinen Song“ in Südafrika unterwegs. Eva-Maria Peter hat mit Gitarrist Niels Kristian Hansen über „Zimmer mit Blick“ und die ewige Liebe gesprochen.

Von „Immer in Bewegung“ zu „Zimmer mit Blick“. Euer neuer Albumtitel klingt, als ob ihr gemütlicher werdet?

Rein vom Titel klingt das vielleicht so. Das Gegenteil ist der Fall: Wir sind immer noch in Bewegung. Nach fünf Jahren bewegen uns eben andere, reifere Themen. Nicht nur auf der Welt hat sich einiges verändert, auch privat hat sich einiges getan.

Was war eure größte Inspirationsquelle?

Das was uns umtreibt, inspiriert uns. Wir haben viele neue Menschen kennengelernt, die uns inspirieren und auch in der Gesellschaft gibt es momentan viele Themen, die uns bewegen. Wir schlagen die Zeitung auf und sehen jeden Tag neue Schlagzeilen wie „Trump kündigt den Klimavertrag“. Es gibt so viele Probleme, so viele Krisen und so viel Unerklärbares auf der Welt.

Das habt ihr auch in eurem Song „Zimmer mit Blick“ verarbeitet …

Das Zimmer mit Blick beschreibt die Komfortzone der Menschen, die nur zuschauen, was auf der Welt passiert. Wir wollen dazu aufrufen, nicht nur dasitzen und zuzuschauen. Es ist Pflicht, Haltung zu zeigen. Macht den Mund auf und bewegt euch aus eurer eigenen Komfortzone.

Wie positioniert ihr euch außerhalb der Musik für die Welt?

Wir versuchen alles Mögliche um Haltung zu zeigen. Gerade, weil wir in der Öffentlichkeit stehen, sollten wir uns einmischen und auf Missstände aufmerksam machen. Aktuell haben wir an einer Kooperation mit Tom Tailor gearbeitet. Wir wollen auf die schlechten Bedingungen in der Textilindustrie aufmerksam machen. Für unsere eigens konzipierte Kollektion haben wir Biobaumwolle benutzt und faire Bedingungen für die Herstellung geschaffen.

Der Grundtenor eures Albums ist: Die Liebe ist kompliziert und das Leben auch. Was macht es denn so kompliziert?

Die Menschen machen sich das Leben selber schwer. Es gibt immer mehr Möglichkeiten, immer mehr Fernbeziehungen und jeder will sich immer weiter optimieren. Wir leben in einem reinen Optimierungswahn. Alle denken immer nur an später.

Und was ist dein Rezept für ein unkomplizierteres Leben?

Wir sollten den Moment genießen. Das, was wir gerade im hier und jetzt erleben, können wir niemals wiederholen. Wir müssen wieder zufriedener werden. Einfach zufrieden sein, mit dem was wir haben.

Das Thema Liebe spielt eine zentrale Rolle auf dem Album. Wurde nicht bereits genug über die Liebe gesungen?

Liebe ist ein unermüdliches Thema. Liebe begegnet uns jeden Tag. Und mit Ende dreißig sieht man die Liebe wieder aus einer ganz neuen Perspektive. Es ist nicht mehr alles so unbeschwert wie damals. Wenn in unserem Alter eine Beziehung auseinanderbricht, ist es etwas gravierender. Meistens sind Kinder im Spiel und ein ganzer Freundeskreis muss sich neu ordnen.

Im Song „Unsere Geschichte ist erzählt“ geht es um das langsame Ableben an der Liebe. Muss eine Beziehung immer für die Ewigkeit sein, damit es die große Liebe ist?

Es ist ein Wunschdenken, dass die Liebe ewig hält. Das ist ein Traum, den immer weniger Leute erreichen. Aber es lohnt sich, für die Liebe zu kämpfen und ich wünsche es jedem, dass er die ewige Liebe findet.

Eure Bandbeziehung könnte für die Ewigkeit halten nach der langen Zeit …

Wir sind als Freunde unterwegs und wurden nicht von einem schlauen Marketingkopf zusammengewürfelt. Bevor wir zusammen Musik gemacht haben, waren wir schon befreundet. Das Menschliche war uns immer sehr wichtig und das ist das Geheimnis unserer treuen Bandbeziehung.

Also eigentlich wie die große Liebe?

Freundschaft ist auch eine Form von Liebe. Man liebt ja auf unterschiedliche Art und Weise. Das, was für eine normale Beziehung gilt, gilt auch bei unserer Band. Wir wollen, dass es uns gut geht, jeder sorgt sich um den anderen und wir müssen uns auch immer wieder Freiräume einräumen.

Mit Blick aus dem Zimmer :Was ist dein Wunsch für die Welt?

Da der Weltfrieden unrealistisch ist, wünsche ich mir, dass die Menschen sich mit den Themen unserer Zeit auseinandersetzen, sich eine Meinung bilden und diese auch kundtun. Es soll nicht einige wenige auf der Welt geben, die unser Leben und vor allem die Zukunft unserer Kinder bestimmen.

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