Review: Anna von Hausswolff - The Miraculous

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Anna von Hausswolff setzt auf eigenständigen, unkonventionellen Sound. Hier treffen diese überstrapazierten Begriffe einmal zu.
Anna von Hausswolff setzt auf eigenständigen, unkonventionellen Sound. Hier treffen diese überstrapazierten Begriffe einmal zu. (Foto: Anders Nyclam)
Schwäbische Zeitung

Es sind bereits fast sieben Minuten vergangen, als Anna von Hausswolff zum ersten Mal ihre Stimme erhebt. Ihre ätherische Stimme wirkt beschwörend und körperlos. Das dürfte daran liegen, dass wir uns bis zu ihrem Einsatz in einer imposanten Klangkathedrale – hier trifft der Begriff wirklich mal zu – aus Orgeldröhnen, Gitarrenakkorden, Schlagzeug und gepsenstischen Geräuschen wiederfinden. „The Miraculous“ (Universal) ist ein ungewöhnliches Album, unkonventionell in jeder Sekunde. Die schwedische Songschreiberin und Organistin gibt nicht viel auf Pop-Schemata, das spürt man in ihren Kompositionen, die mal elegisch und mystisch, mal verstörend und aufbrausend wirken. Das stimmungsvolle „Come Wander With Me/Deliverance“ lässt Bilder von unberührten Naturlandschaften vor dem Auge erblühen, während sich von Hausswolffs Sopran in die Höhe schwingt. Die Orgel, die dazu tönt, ist mit 9000 Orgelpfeifen eine der größten in Schweden. Wie die gerade mal 29 Jahre alte Frau hier melancholische Tiefe, gotische Düsternis und das meditative Dräuen des Drone zusammenbringt, bei dem angeschlagene Töne lange nachhallen – das ist einzigartig. Ihr drittes Album ist keins für zwischendurch, keine Hintergrundbeschallung. Eher schon ein Werk, das in Nächten unter dem Kopfhörer erarbeitet werden will. Wer die Anstrengung wagt, wird mit einer emotionalen Tiefe belohnt, die nicht selbstverständlich ist.

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