Reaktionen auf den Hitler-Stalin-Pakt

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 Die britische „Evening Star“ veröffentlichte im September 1939 diese Karikatur zur Allianz der Diktatoren. Hitler: „Der Abschau
Die britische „Evening Star“ veröffentlichte im September 1939 diese Karikatur zur Allianz der Diktatoren. Hitler: „Der Abschaum der Menschheit, glaube ich“. Stalin: „Der blutige Mörder der Arbeiterklasse, wie ich annehme“. (Foto: imago images)
Reinhold Mann

Die meisten Kommunisten wurden von dem Pakt unvorbereitet überrascht, vor allem diejenigen, die vor der Verfolgung in Deutschland in die Sowjetunion geflüchtet waren. Stalins Paktieren lief auch den internationalen Kommunisten zuwider. Bei den Anhängern, die schon mit ihrer Überzeugung zu hadern begannen, als Stalins „Säuberungen“ einsetzten, nahmen nun die Zweifel überhand. Bekanntestes Beispiel ist Arthur Koestler, dessen Roman „Sonnenfinsternis“ bereits 1940 erschien. Seine Abrechnung mit dem Stalinismus wurde ein Weltbestseller.

Koestler schreibt, seine Unentschiedenheit habe bis zu dem Tag gedauert, „an dem zu Ehren Ribbentrops die Hakenkreuzfahne am Moskauer Flughafen gehisst wurde und die Kapelle der Roten Armee das Horst-Wessel-Lied anstimmte. Damit war Schluss.“ Es hätte ihn wenig beruhigt, dass zum Empfang von Außenkommissar Molotow, der zur Berlin-Visite im November 1940 mit dem Zug anreiste, im Anhalter Bahnhof die „Internationale“ gespielt wurde.

Auch die französischen Kommunisten wurden – rechtzeitig zum Einmarsch der Wehrmacht in Paris – auf Kurs gebracht. Die Parteizeitung „L’Humanité“ kommentierte im Juni 1940: „In diesen Zeiten ist es ermutigend zu sehen, wie Arbeiter sich freundschaftlich mit deutschen Soldaten unterhalten, sei es auf der Straße oder im Bistro an der Ecke. Bravo, Genossen, weiter so!“

Moskautreue deutsche Kommunisten wie Herbert Wehner feierten Pakt und Einmarsch in Polen als „Befreiung von 23 Millionen Werktätigen“. Johannes R. Becher widmete Stalin eine Ode:

An Stalin

Du schützt mit deiner starken Hand

den Garten der Sowjetunion.

Und jedes Unkraut reißt Du aus.

Du, Mutter Rußlands größter Sohn,

nimm diesen Strauß mit Akelei

zum Zeichen für das Friedensband,

das fest sich spannt zur Reichskanzlei.

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