Pressetag bei den Bregenzer Festspielen

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Große Bühne mit Hand darüber
Einblick in eine „Rigoletto“-Szene bei Sonnenschein: Zu sehen sind Gilda und der Herzog von Mantua an der „Lindauer“ Hand. (Foto: Mathis Fotografie)
Katharina von Glasenapp

Das Treibholz, das sich noch vor Kurzem zwischen Tribüne und Bühne breitgemacht hat, ist aus dem See gefischt, auf den Bühnen im Haus und am See wird eifrig geprobt. Noch muss das Klavier das Orchester ersetzen, bevor am Wochenende die Wiener Symphoniker ihr Sommerquartier am See beziehen. Während der kaufmännische Direktor Michael Diem angesichts von 90 Prozent gebuchter Karten recht gelassen auf die kommende Festspielsaison blickt, verstärkt sich bei Intendantin Elisabeth Sobotka die positive Anspannung, bis sich am 17. Juli der imaginäre Vorhang der Seebühne für Giuseppe Verdis „Rigoletto“ hebt.

Einen Tag später steht im Festspielhaus Don Quichotte, der „Ritter von der traurigen Gestalt“ im Mittelpunkt: Wie so oft in Bregenz wird als Hausoper ein Werk ans Licht geholt, das wenig bekannt ist und das sich doch, folgt man den begeisterten Worten der Intendantin, der Regisseurin und des Dirigenten, zu entdecken lohnt.

„Rigoletto“ aktueller denn je

Zwölf Tage vor den Generalproben gewährten die Bregenzer Festspiele Einblick in die beiden Hauptproduktionen: 27-mal wird Rigoletto, der Hofnarr des lebenslustigen Herzogs von Mantua, zu Verdis unvergänglicher Musik die Seebühne erfüllen. Selbst im klaren Sonnenlicht am Vormittag ahnt man, wie der die Bühne erfüllende Clownskopf lebendig wird, sich zur Wasserfläche senkt, Augen und Mund geöffnet werden. Die Hand auf der „Lindauer“ Seite ist wohl das Reich von Gilda, der von Rigoletto versteckt gehaltenen Tochter: Auch diese Hand ist beweglich in jedem Fingerglied, ist Schutzraum und Gefängnis zugleich.

Mit den Themen Macht und sexueller Missbrauch sei das Stück aktueller denn je, so Regisseur Philipp Stölzl, doch obwohl sich das wahre Grauen immer mehr offenbare, solle das Publikum die Schönheit und den Zauber der Gattung Oper erfahren. Der Clown stehe für die Zirkuswelt und die darin herrschenden Hierarchien, der Zirkus sei uns heute näher als die Welt der Renaissancefürsten, wie sie der Herzog von Mantua verkörpert.

Die Sänger werden auf der Bühne viel zu tun haben, werden doch Kopf, Hand, Kragen oder der große Heißluftballon in der „Bregenzer“ Hand bespielt, während der Kontakt mit dem Dirigenten Enrique Mazzola nur über Video besteht. Doch die Erfahrungen der letzten Jahre, die nochmals verbesserte Tontechnik BOA (Bregenz Open Acoustics) und die intensive Zusammenarbeit von Mazzola und Stölzl stärken das gegenseitige Vertrauen von Sängern und Dirigent.

Nur dreimal steht die Hausoper „Don Quichotte“ von Jules Massenet auf dem Programm, die 1910 in Monte Carlo uraufgeführt wurde. Die französische Regisseurin Mariame Clément ist glücklich über die idealen Bedingungen, die sie in Bregenz vorfinde. Don Quichotte sei ein Mythos, die Oper sehr weit weg von Miguel de Cervantes’ Roman, die Hauptfigur mit ihren verschiedenen Situationen immer auf der Kippe zwischen Heldentum und Lächerlichkeit. Im Grunde gehe es um die Frage, was ein Held, ein Mann sei, oder ob es sich eigentlich immer um die Sehnsucht nach dem Heldentum drehe.

Der israelische Dirigent Daniel Cohen ist begeistert von der fein instrumentierten Musik, die weniger das Heroische als das Menschliche betone, der ungarische Bassbariton Gábor Bretz schwärmt von der Traumpartie für einen Bass. Mariame Clément wird das Publikum in den fünf Akten von Massenets Oper auf eine Art Zeitreise schicken – mehr wurde bei diesem Blick durchs Schlüsselloch noch nicht verraten.

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