Portugal. The Man im Interview

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„Wir wollen nicht jeden Abend dasselbe machen“, sagen Jason Sechrist und Kyle O’Quinn von Portugal. The Man.
„Wir wollen nicht jeden Abend dasselbe machen“, sagen Jason Sechrist und Kyle O’Quinn von Portugal. The Man. (Foto: Maclay Heriot)
Landes-Korrespondentin

Live: 4.7. CH-Montreux, Jazz Festival.

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Spätestens seit ihrem achten Album „Woodstock“ ist die US-Band Portugal. The Man etwa genauso bekannt wie das gleichnamige Land. Mit „Feel It Still“ hat die Elektro-Pop-Rock-Kombo aus Portland einen Ohrwurm erschaffen, der nur unter Schmerzen wieder loszuwerden ist. Ob es daran liegt, dass der 1960er-Hit „Please Mr. Postman“ eingebaut wurde? Für ihr Lied bekamen Portugal. The Man einen Grammy – und massenweise neue Fans. Kara Ballarin hat mit Keyborder Kyle O’Quin und mit Schlagzeuger Jason Sechrist darüber geredet, wie es sich anfühlt, plötzlich ganz oben zu sein. Und was man als Musiker von Comedians lernen kann.

Ihr wohnt in Portland, manche von Euch kommen von Alaska. Seid Ihr dort noch manchmal?

Kyle O’Quinn: Alaska ist der Ort, an dem wir unsere Texte schreiben.

Vor einem Jahr etwa habt Ihr Euer Album „Woodstock“ veröffentlicht. Wie habt Ihr den raketenartigen Aufstieg seitdem erlebt?

O’Quin: Unsere Karriere verlief lange sehr gemächlich. Im letzten Jahr ist dann so viel Aufregendes passiert, das zugleich furchtbar anstrengend war. So richtig Zeit zum Realisieren hatten wir noch nicht. Es fühlt sich an wie im Auge eines Hurrikans.

Auszeichnungen, Werbe-Deals und Popularität – wie ist es für Euch, plötzlich so im Rampenlicht zu stehen?

O’Quin: Wir haben so viele Alben gemacht – es hat sich angefühlt, wie zur Schule zu gehen. Jetzt ist es so, als ob die Schule aus ist. Zu unseren Konzerten kommen immer mehr Leute. Sie schenken uns ihre Zeit. Für uns heißt das: Wir sollten das Konzert rocken, sonst kommen sie nicht wieder.

Jason Sechrist: Eigentlich sind wir alle ziemlich entspannt, auch vor Konzerten. Wir machen uns bereit, dehnen unsere Stimmen und Finger. Aber wenn auf Festivals wie dem Southside plötzlich 50 000 Leute da sind...

Habt Ihr ein Rezept dafür, dass es Euch, und damit auch dem Publikum, nicht langweilig wird?

O’Quin: Wir haben 120 Songs aufgenommen. Was das Publikum bei einem Konzert bekommt, ist ein Zwölf-Gänge-Menü – ein kleiner Ausflug in unsere Welt. Die Hits müssen auf dem Programm stehen. Wir mögen es außerdem, auf der Bühne zu jammen und Cover von Musikern zu spielen, die wir verehren. Die richtige Balance zu finden ist schwierig – das entscheiden wir für jedes Konzert neu. Jede Show muss einzigartig sein. Leider machen das immer weniger Bands...

Sechrist: ...und begründen das mit Konsistenz. Wir wollen aber nicht jeden Abend dasselbe machen.

O’Quinn: Stand-up-Comedians sind da für mich eine große Inspiration. Seinfeld zum Beispiel: Jeden Abend auf der Bühne, trotzdem immer geistreich und frisch.

Freut es Euch eigentlich, wenn Filmemacher Musik von Euch verwenden wollen – wie zum Beispiel bei „Peter Hase“ oder dem Will-Smith-Streifen „Bright“?

O’Quinn: Wir lieben Soundtracks. Wir sind mit Soundtracks groß geworden. Der zu „2001: Odyssee im Weltraum“ zum Beispiel inspiriert uns bis heute. Musik ist so ein wichtiger Bestandteil von Filmen. Deshalb freut es uns auch sehr, dass Filmemacher wieder mehr Wert auf den Soundtrack legen, als das in den vergangenen Jahren der Fall war. Außerdem sind wir große Fans davon, mit anderen Künstlern zusammenzuarbeiten.

Und wie läuft so eine Kooperation ab?

O’Quinn: Wir reden mit dem Regisseur und versuchen, in seinen Kopf zu schauen. Wir hören zu, was er vom Film erzählt, und versuchen dazu die Audio-Spur zu erschaffen.

Dann seht Ihr den fertigen Film. Was denkt Ihr in dem Moment, wenn die Szene mit Eurer Musik kommt?

O’Quinn: Der erste Gedanke ist: Das war’s schon? (lacht)

Sechrist: Du produzierst ein Lied von vier Minuten und dann hört man davon nur ein paar Sekunden im Hintergrund.

Live: 4.7. CH-Montreux, Jazz Festival.

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