Operkritik: „Das schlaue Füchslein“ in Ulm

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 Es wird fabelhaft gesungen in Ulm: Maria Rosendorfsky, I Chiao Shih und Gaëtan Chailly (von links).
Es wird fabelhaft gesungen in Ulm: Maria Rosendorfsky, I Chiao Shih und Gaëtan Chailly (von links). (Foto: Kerstin Schomburg)
Werner Müller-Grimmel

Weitere Vorstellungen am 2., 4., 6., 12., 14., 17., 19. und 21. Oktober; Informationen und Karten: www.theater-ulm.de oder

theaterkasse@ulm.de

Mit einer eigenen Inszenierung von Leos Janáceks Oper „Das schlaue Füchslein“ hat Kay Metzger jetzt als neuer Intendant des Ulmer Theaters seine erste Spielzeit eröffnet. Die von Generalmusikdirektor Timo Handschuh dirigierte und von Petra Mollérus üppig ausgestattete Produktion kam gut an beim Publikum. Der begeisterte Applaus galt auch den zahlreichen Gesangssolisten, dem Opernchor, den Kindern vom Ulmer Spatzenchor und von der Ballettschule des Theaters und nicht zuletzt dem Philharmonischen Orchester der Stadt Ulm.

„Das schlaue Füchslein“ wird gerne als „tschechischer Sommernachtstraum“ bezeichnet. Als der Dreiakter 1924 uraufgeführt wurde, war Janácek 70 Jahre alt. Das Libretto hatte er selbst nach einer Comic-Geschichte von Rudolf Tesnohlídek geschrieben. Auch die Illustrationen des Zeichners Stanislav Lolek haben nicht nur auf den Charakter des Textbuchs, sondern auch auf die Musik abgefärbt. Ihre Verbindung von lustigen Staccato-Motiven, melancholischen Stimmungen, kecken Klängen, Naturlauten und romantischer Emphase erinnert auch an die musikalische Begleitung von Stummfilmen.

„Das schlaue Füchslein“ erzählt mit viel Humor und Heiterkeit eine Tierfabel, in der auch Kinder singen und spielen, ist aber aller Märchenhaftigkeit zum Trotz keine Kinderoper. Der hierzulande eingebürgerte Titel verharmlost die Titelfigur. Bei Janácek ist sie nicht ein geschlechtsloses Neutrum, sondern eine Füchsin, die auch gezielt auf die Waffen einer Frau setzt, um Männer zu täuschen, die ihr nach dem Leben trachten. Sie muss sich zwischen anderen Tieren und Menschen behaupten und ihre Freiheit verteidigen. Bosheiten, Herzlosigkeit und andere seelische Abgründe werden nicht ausgespart.

Das Stück kann als Parabel über das Zusammenleben in menschlicher Gesellschaft, als traumhafte Allegorie über den Gegensatz von Zivilisation und Natur, aber auch als pantheistisches Märchen über den Kreislauf des Lebens, über Entstehen und Vergehen, Geburt, Leben und Tod inszeniert werden. Petra Mollérus’ Ausstattung ist von Kinderbuch-Optik inspiriert. Zwei riesige, hintereinander gestaffelte Waldprospekts nehmen die ganze Bühnenbreite ein. Schräge Laufstege im Vordergrund sehen aus wie verzerrte Türen.

Zivilisation und Wildnis sind in surrealer Szenerie ineinander verwoben. Hier trifft Gutes auf Böses, träumen Menschen und Wesen in comichaften Tierkostümen ihre Träume. Wie wichtig der Text bei dieser Oper ist, zeigte sich bei der Ulmer Premiere schmerzlich. Obwohl in deutscher Sprache gesungen wurde, war inhaltlich wenig zu verstehen. Bis zur Pause fiel die Übertitelungsanlage aus. Erst beim dritten Akt konnte man die Übersetzung von Werner Hintze lesend mitverfolgen. Durch ihre große Nähe zum tschechischen Original ist sie früheren deutschen Textfassungen weit überlegen.

Vielversprechende Visitenkarte

Maria Rosendorfsky glänzt vokal und darstellerisch als attraktive rothaarige Füchsin. I Chiao Shih (Fuchs), Dae-Hee Shin (Förster), Eleonora Halbert (seine Gattin/Eule), Markus Francke (Schulmeister/Mücke), Martin Gäbler (Pfarrer/Dachs), Christoph Stephinger (Wilderer), J. Emanuel Pichler (Gastwirt), Evalyn Manja (Wirtin/Henne), Joska Lehtinen (Specht/Dackel) und Maryna Zubko (Hahn/Eichelhäher) bilden ein stimmlich fabelhaftes, szenisch quirliges Ensemble. Gaëtan Chailly macht seine Sache nicht nur als Hase, sondern auch als choreografischer Mitarbeiter tänzerisch brillant.

Musikalisch gelingt unter der Leitung von Timo Handschuh eine beeindruckende Interpretation. Gelegentlich übertönt das Orchester die Gesangssolisten. Auch einige Schärfen im Bläserklang störten bei der Premiere, doch insgesamt kam Janáceks Musik mit ihren atmosphärischen Qualitäten gut zur Geltung. Kay Metzger hat als Nachfolger von Andreas von Studnitz mit dieser Produktion eine vielversprechende Visitenkarte abgegeben.

Weitere Vorstellungen am 2., 4., 6., 12., 14., 17., 19. und 21. Oktober; Informationen und Karten: www.theater-ulm.de oder

theaterkasse@ulm.de

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