Nichts geht mehr!

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Schwäbische Zeitung
Rolf Waldvogel

In der Plauderei der letzten Woche war kurz die Rede vom Vabanquespiel. Dieser Begriff scheint nicht jedem geläufig zu sein, und so kommen wir auf ihn zurück - mit dem Nebeneffekt, hier zur Abwechslung mal eine Lanze für das Französische zu brechen.

Denn wie rasant die Amerikanisierung bei uns fortschreitet, mögen drei Beispiele aus den letzten Tagen beweisen: Erfrischung to go stand auf dem Aldi-Prospekt, der aus der Zeitung purzelte. Am Friseurladen hing am Montag das Schild Closed. Und wie die derzeit allerorten prangenden Plakate nahelegen, fiel den beiden Allgäukrimi-Fließbandproduzenten Kobr und Klüpfel wohl nichts Besseres ein, als ihre neue Tour My Klufti zu nennen. Nebenbei bemerkt: Warum ihr Buch Grimmbart heißt, obwohl sich der alte Name des Dachses in der Fabel Grimbart schreibt, erschließt sich eigentlich nicht - falls es nicht eine Unachtsamkeit ist, die sich eben einschleicht, wenn vor lauter Lit-Comedy-Show das heimische Idiom ins Hintertreffen gerät.

Aber jetzt zum Thema: Va banque spielen kennen wir in der Bedeutung alles wagen, um alles zu gewinnen oder alles zu verlieren; alles auf eine Karte setzen; alles aufs Spiel setzen; ein hohes Risiko eingehen. Die Wendung - genau übersetzt: es gilt die Bank - stammt aus dem 18. Jahrhundert, als das gesellschaftliche Leben noch sehr stark von Frankreich aus bestimmt wurde. Quelle ist der Jargon der Glücksspieler. Beim Vabanquespiel setzt man alles ein, was man hat, genauer gesagt: man spielt um die Bank, also um den gesamten Einsatz am betreffenden Spieltisch.

Überhaupt verdanken wir der Sprache unserer Nachbarn jenseits des Rheins einige Fachausdrücke aus dem Innenleben der Casinos - vor allem beim Roulette. Man setzt auf Pair (gerade) oder Impair (ungerade), auf Cheval (zwei Zahlen) oder Carré (vier Zahlen). Man folgt dem Croupier, wenn er sein Faites vos jeux! (Macht euer Spiel) verkündet, und man folgt ihm erneut - manche auch nur widerwillig - beim finalen Rien ne va plus! (Nichts geht mehr).

Zurück zum Vabanquespiel: Angeblich fiel das Wort zwischen Hermann Göring und Adolf Hitler, nachdem England den Deutschen 1939 den Krieg erklärt hatte. Göring riet Hitler eindringlich: "Wir wollen doch das Vabanquespiel lassen.", worauf Hitler antwortete: "Ich habe in meinem Leben immer va banque gespielt." Wohl wahr.

Am Schluss hieß es auch Nichts geht mehr! - und ein ganzes Volk hatte verloren.

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