Neustart bei den Berliner Philharmonikern

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 Kirill Petrenko
Kirill Petrenko (Foto: dpa)
Deutsche Presse-Agentur
Esteban Engel

Freude, schöner Götterfunken: Vier Jahre nach seiner Ernennung tritt an diesem Freitag (23. August) Kirill Petrenko als neuer Chef bei den Berliner Philharmonikern an. Mit Beethovens 9. Symphonie gibt der russische Dirigent seinen lang ersehnten Auftakt in Berlin, das Konzert wird live in Kinos übertragen. Ergänzt wird Beethoven von Bergs Lulu-Suite, in der die aus Tuttlingen stammende Sopranistin Marlis Petersen als Artist in Residence ihren ersten großen Auftritt hat.Am Samstag spielen die Philharmoniker dann die Neunte am Brandenburger Tor, das RBB-Fernsehen überträgt das Konzert live (20.15 Uhr).

Mit Petrenko als dem siebten Chefdirigenten in der Orchestergeschichte beginnt für die Philharmoniker eine neue Ära. Nach dem britischen Sonnyboy Simon Rattle bekommen die Berliner einen eher öffentlichkeitsscheuen, auf den ersten Blick zurückhaltenden Maestro. Bis Mitte 2020 bleibt er auch Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper in München.

Dabei war der Neue nicht unbedingt die erste Wahl für den Spitzenjob im europäischen Musikbetrieb. Erst im zweiten Wahlgang hatten sich die Philharmoniker im Juni 2015 auf ihn geeinigt. Bis dahin hatte Petrenko die Philharmoniker nur drei Mal dirigiert. Doch als er dann zu seinem ersten Gastauftritt nach der Ernennung nach Berlin kam, wurde für alle hör- und sichtbar, warum sich die 128 Philharmoniker mehrheitlich für ihn entschieden hatten.

Der 47-Jährige ist kein Unbekannter bei uns in der Region. Denn obwohl er längst international gefragt ist, lässt es sich Kirill Petrenko nicht nehmen, jedes Jahr nach Vorarlberg zurückzukehren und mit dem dortigen Symphonieorchester ein Programm einzustudieren. Der Hintergrund: Nach der Ausreise aus der UdSSR studierte Petrenko am Konservatorium in Feldkirch, sein Vater spielte im Orchester in Bregenz. Kirill Petrenko erarbeitet mit dem Symphonieorchester Vorarlberg alle Mahler-Symphonien. Dieses Jahr war er bereits bei Nummer acht angelagt.

In Berlin tritt er in die Fußstapfen von Philharmoniker-Chefs wie Wilhelm Furtwängler, Herbert von Karajan und Claudio Abbado. „Man kann es gar nicht in Worte fassen, was in mir gefühlsmäßig vorgeht: von Euphorie und großer Freude bis zu Ehrfurcht und Zweifel ist da alles drin“, hatte er nach seiner Wahl gesagt.

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