Neues Buch von Jon Krakauer

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 Ausschnitt aus dem Cover des neuen Buches von Jon Krakauer.
Ausschnitt aus dem Cover des neuen Buches von Jon Krakauer. (Foto: Malik Verlag)
Welf Grombacher

Bevor der Amerikaner Jon Krakauer mit „Into The Wild“ (1996) und „In eisigen Höhen“ (1997) Weltbestseller landete, schrieb er Reportagen für Zeitschriften wie „Outside“, den „Rolling Stone“ oder „Smithso-nian“. „Um meine Miete zahlen zu können, musste ich dreißig bis vierzig Aufträge im Jahr ergattern, und das meiste, was ich schrieb, war ziemlicher Schrott“, erinnert sich der 1954 in Brookline, Massachusetts, auf die Welt gekommene Alpinist und Autor.

Liest man den gerade erschienenen Band „Classic Krakauer“, der sieben Texte aus den 1990er-Jahren und zwei neuere enthält, mag man Jon Krakauers Worte für Koketterie halten. Sind die Reportagen allesamt doch vorbildlich recherchiert und lebensecht geschrieben. Obwohl immer wissenschaftlich fundiert, erzeugen sie eine Spannung, die den Leser bis zum Schluss in ihren Bann zieht. Jon Krakauer gehört noch einer Journalistengeneration an, die hinaus in die Welt ging, um etwas zu erleben und darüber zu schreiben. Das merkt man seinen Reportagen an. Das macht sie so authentisch.

Er seilt sich mit Experten der Nasa in die Lechuguilla Höhle in New Mexico ab, ein „Ort von geisterhafter Schönheit“, um nach mikrobiellem Leben zu suchen. Es soll belegen, dass auch auf dem Mars autotrophe Organismen existieren könnten. Er klettert mit dem berühmt-berüchtigten Bergsteiger Fred Beckey, über den es heißt, er sei am Berg großartig, unter Menschen aber funktioniere er nicht. Und er macht sich in einer der besten Reportagen des Bandes auf an den Pillar Point, südlich von San Francisco, wo 1994 die Surflegende Mark Foo ums Leben kam. „Foo starb so, wie er lebte: im mythologisierenden Auge der Kameras. Mehr als hundert Menschen wurden Zeugen, wie Foo unter der brechenden Lippe der Welle begraben wurde, jede Einzelheit seines Sturzes wurde auf Film und Video festgehalten.“

Ein brillanter Erzähler

Packend weiß Jon Krakauer zu erzählen. Das journalistische Handwerk beherrscht er aus dem Effeff. Mitunter treibt ihn auch in seinen frühen Texten schon dieselbe Gesellschaftskritik an, die ihn später zu Büchern wie „Auf den Feldern der Ehre“ (2009) oder „Die Schande von Missoula“ (2015) motivieren wird. Moralisch, aber nicht moralisierend ist auch der letzte Text des Buches, der eigentlich ein Vortrag ist, in dem Krakauer über die immer weiter um sich greifende kollektive Verzweiflung der Gegenwart spricht. Er appelliert darin an seine Leser, mit „stoischer Entschlossenheit“, trotz des endlosen Unglücks den beschwerlichen Weg anzunehmen und die Ideale nie aufzugeben.

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