Neues aus der Hilti Art Foundation in Vaduz

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 Zur Hilti-Sammlung gehören einige Werke Paul Klees, darunter auch das „Zank=Duett“ von 1938.
Zur Hilti-Sammlung gehören einige Werke Paul Klees, darunter auch das „Zank=Duett“ von 1938. (Foto: Hilti Art Foundation/obs)

Seit 2015 steht mitten im Ortskern von Vaduz im Fürstentum Liechtenstein das würfelförmige schneeweiße Gebäude der Hilti Art Foundation. Doch nicht nur die Architektur, sondern auch das Innenleben des Hauses ist immer wieder ein Erlebnis. Von heute an gibt es Neues aus der hochkarätigen Kunstsammlung des Werkzeugherstellers zu entdecken. Unter dem Titel „Rosso, Klee, Sonnier & mehr“ werden 36 Arbeiten aus der Klassischen Moderne, der Nachkriegszeit und der Gegenwart vereint.

Eine Neuerwerbung aus dem vergangenen Jahr bringt Kurator Uwe Wieczorek besonders ins Schwärmen: Pablo Picassos „Frau mit Hut“ von 1947. Das Gemälde in Schwarz-Weiß-Tönen, das aus dem Besitz von Claude Picasso stammt, passt perfekt in die Hilti-Sammlung, besitzt sie doch bereits mehrere Bilder aus der kubistischen Phase. Picasso dekliniert hier ein Frauengesicht durch in allen Formen und Deformationen. Dabei kombiniert er raffiniert Frontal- und Profilansicht und setzt als Tüpfelchen auf dem „i“ dem Ganzen ein keckes Hütchen auf. Das Bild hängt jetzt an prominenter Stelle im Untergeschoss.

Mal spielerisch, mal ernst

Wie schon in der Vergangenheit sind einige Exponate der vorherigen Schau auch weiterhin zu sehen. „Ihre Präsentation in neuem Kontext soll Kunstfreunde anregen, die Werke aus einem anderen Blickwinkel zu sehen“, sagt Kurator Wieczorek. Geblieben sind ebenso die edlen Wandfarben, die angenehm lockere Hängung sowie die Themenschwerpunkte in den drei Etagen. Der Mensch spielt eine große Rolle in der hauseigenen Sammlung und damit auch wieder in der neuen Ausstellung. Zum Auftakt im Untergeschoss geht es mal spielerisch, mal ernst um die menschliche Existenz. Blickfang neben dem Picasso ist hier nach wie vor Max Beckmanns großartiges „Selbstbildnis mit Glaskugel“. Als der Künstler 1936 dieses düstere Selbstporträt malte, galt sein Werk unter den Nationalsozialisten längst als „entartet“.

Besonders gelungen im ersten Stock ist eine Wand mit Bildern von Paul Klee: Auf ein märchenhaftes Aquarell von 1929 folgt sein kubistisch angehauchter „Clown“ aus demselben Jahr und wird von dem Spätwerk „Zank-Duett“ (1938) ergänzt, wo sich die streitenden Strichfiguren förmlich ineinander verhaken. Dreh- und Angelpunkt ist hier ansonsten der Kubismus in sämtlichen Spielarten. Spannend ist die Gegenüberstellung von Fernand Légers „Contraste de formes“ und Juan Gris’ „Le verre“, beide von 1914. Während der eine einen Zylinder in geometrische Teile zerlegt, bildet der andere aus abstrakten Formen einen Gegenstand, genauer gesagt ein Glas. Bereits zwei Jahre später löst sich bei Alexej Jawlensky ein Blick aus dem Fenster in lodernde Farbflächen auf. Der Russe hat mehrere Bilder zu diesem Motiv in seinem Schweizer Exil gemalt, zwei davon befinden sich in der Hilti-Kollektion.

Bekannte und neue Exponate

In der dritten Etage steht wie bereits in den vorangegangenen beiden Ausstellungen wieder die Kunst der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart im Mittelpunkt. Da wären etwa Sandwich- und Streifenbilder von Imi Knoebel, Neonarbeiten von Keith Sonnier sowie konkrete Reliefs von Klaus Staudt. Mittendrin findet sich sogar eine klassische Komposition von Piet Mondrian aus Streifen und Rechtecken. Ein Großteil dieser Werke wird erstmals in Vaduz präsentiert. Roter Faden unterm Dach sind die Farben Rot, Gelb und Blau sowie Schwarz, Weiß und Grau. Der eine versteckt sie bewusst, der andere macht alles sichtbar, der dritte schafft Raumstrukturen damit.

Für Sammler Michael Hilti ist das Zusammenspiel von bereits gezeigten mit neuen Exponaten ein stimmiges Konzept. „Jede Ausstellung ist anders, zeigt Werke in einer anderen Beziehung zueinander und damit in einer anderen Wahrnehmung und Wirkung“, erklärt er. 36 Exponate umfasst die neue Schau, 17 davon sind Neuzugänge. Ein Déjà-vu-Gefühl bleibt dennoch aus. Es kommt eben auf den Blickwinkel an.

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