Neue Platte von Yvonne Catterfeld

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Offenbart auf ihrem neuen Album bislang unbekannte Facetten von sich und ihrer Musik: Yvonne Catterfeld.
Offenbart auf ihrem neuen Album bislang unbekannte Facetten von sich und ihrer Musik: Yvonne Catterfeld. (Foto: Christoph Köstlin)
Schwäbische Zeitung
Digital-Redakteurin

„Guten Morgen Freiheit“ begeistert mit klugen Texten und musikalischem Facettenreichtum.

Schauspieler werden oft auf bestimmte Rollen reduziert, Sänger auf bestimmte Musikrichtungen. So auch Yvonne Catterfeld. Lange Zeit hat man die Künstlerin in die Schublade „harmloses, naives Popsternchen“ gesteckt, bis – ja, bis zu ihrer Teilnahme bei „Sing mein Song“. Da präsentierte die heute 37-Jährige einem Millionenpublikum völlig neue Facetten ihres künstlerischen Könnens. Und als charmanter Coach bei „The Voice of Germany“ wird deutlich: Catterfeld ist alles andere als naiv, sondern beherrscht ihr Metier aus dem Effeff.

Auch mit ihrem neuen – mittlerweile siebtem – Studio-Album „Guten Morgen Freiheit“ unterstreicht die Künstlerin diesen Neubeginn, der zudem die Gründung ihres eigenen Labels „Veritable Records“ zur Folge hatte. Der kreative Aufbruch spiegelt sich in den ungemein klugen Texten der 14 Titel des Albums und in der musikalischen Experimentierfreude Catterfelds wider. Da wechseln sich urbaner Pop („Was bleibt“) mit Hip-Hop („5 vor 12“), Soul („Besser werden“), klassisches Singer-Songwriting („Tür und Angel“) und Chanson-Big-Band-Sound („Guten Morgen Freiheit“) ab. Erfreulicherweise überfrachtet Catterfeld aber dabei ihren Sound nicht und setzt nur dezent, aber dafür punktgenau Akzente.

Das schafft genügend Raum für ihre Texte, die den Zuhörer nicht nur zum Nachdenken anregen, sondern auch emotional an ihrem Seelenleben teilhaben lassen. Beste Beispiele dafür sind „Straßen aus Salz“, die für die Tränen im Gesicht eines Kindes stehen, dem wir viel zu viele Erwachsenen-Sorgen aufbürden, und „Pass gut auf dich auf“ – ein Liebeslied für ihren Sohn, in dem sie ihm all ihre Wünsche für seine Zukunft, für ein glückliches Leben mitgibt.

Gerade die Geburt ihres Sohnes habe großen Einfluss auf dieses Album gehabt, erklärt die Sängerin. Viele ihrer Gedanken zu Nachhaltigkeit, Vergänglichkeit und Freiheit habe sie in diesem Album verarbeitet.

Erfahrungen wertschätzen

So beschreibt sie denn ihren Neubeginn in der Musik und mit ihrem Label in „Guten Morgen Freiheit“, macht aber zugleich darin deutlich, dass sie ihre Erfahrungen und Erlebnisse der Vergangenheit nicht missen mag: „Manche Kratzer kriegt man nie wieder raus, tut mir leid, das passiert nun mal, wenn man lebt.“ In „Freisprengen“ erklärt sie ihr Bedürfnis, wahrhaftig zu sein: „Will einfach mal ich selbst sein –damit ich wieder strahlen kann.“ Und fordert in „Mehr als ihr seht“, dass sie nicht länger in irgendwelche Schubladen gesteckt wird: „Ich fall’ aus der Rolle, sprenge die Rahmen, bis euch endlich klar wird, wer ich eigentlich bin.“ Das klingt kämpferisch. Selbstbewusst.

Daher verwundern auch die kritischen Töne Catterfelds nicht weiter. Manchmal klingen diese nachdenklich wie in „Irgendwas“, einem Song, der unsere hektischen Zeiten und (zu) schnellen Lebenswandel bedenklich findet („Wir sammeln Fotos, doch uns fehlt die Erinnerung“). Manchmal drücken sie Missbilligung aus, wie in „5 vor 12“, das angesichts der prekären Situation in der Welt hart mit den Politikern ins Gericht geht: Yvonne Catterfeld stellt dabei stets nur die Fragen unserer Zeit – ohne für sich zu reklamieren, die Antwort darauf gefunden zu haben.

Live: 14.3. Mannheim, Capitol; 27.3. München, Deutsches Theater.

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