Neu im Kino: „Vollbüter“

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Die zwei Teufelsbraten hecken nichts Gutes aus: Amanda (Olivia Cooke, links) und Lily (Anya Taylor-Joy) in dem Drama „Vollblüter
Die zwei Teufelsbraten hecken nichts Gutes aus: Amanda (Olivia Cooke, links) und Lily (Anya Taylor-Joy) in dem Drama „Vollblüter“. (Foto: Universal Pictures)
Stefan Rother

Vollblüter. Regie: Cory Finley. Mit Olivia Cooke, Anya Taylor-Joy, Anton Yelchin. USA 2017. 93 Minuten. FSK ab 16.

Eine Geschichte über zwei Teenager-Mädchen, dazu ein Filmtitel, der auf Pferde schließen lässt – das klingt nach leicht verdaulicher Kinokost. Doch dass sich „Vollblüter“ definitiv nicht an die „Ostwind“-Klientel richtet, wird schon mit der ersten Szene klar. Da sieht man zwar zunächst, wie Amanda (Olivia Cooke aus „Ready Player One“) ihrem Pferd über den Kopf streichelt – um dann in der nächsten Einstellung aber ein Messer zu zücken …

Mit Amanda stimmt etwas nicht, soviel ist schnell klar. Was genau, offenbart das Mädchen aus wohlhabendem Hause bald der in einem palast-ähnlichen Anwesen wohnenden Lily (Anya Taylor-Joy): Sie kann keine Gefühle empfinden, weder Trauer noch Freude. Dafür hat sie über die Jahre gut gelernt, diese vorzuspielen, und beherrscht etwa eine Methode, um sich selber zum Weinen zu bringen.

Lily wirkt dagegen auf den ersten Blick beherrscht, aber durchaus gefühlvoll. Früher war sie mit Amanda befreundet, seit dem Tod ihres Vaters haben sich die beiden aber auseinandergelebt. Nun lädt Lily Amanda zu sich ein, um ihr beim Lernen für die Schule zu helfen. Mit ihrem kühlen Blick schaut die einstige Freundin aber schnell hinter Lilys Fassade. Vor allem merkt sie, wie sehr diese ihren Stiefvater Mark (Paul Sparks) hasst. Als die beiden wieder eine Form von Freundschaft miteinander entwickeln, macht Amanda einen radikalen Vorschlag: Warum nicht einfach Mark aus dem Weg räumen und ein sorgenfreieres Leben genießen? Ausführen soll die Tat der Drogendealer Tim (Anton Yelchin, der Pavel Chekov aus den letzten „Star Trek“-Filmen), den die beiden Mädchen erpressen.

Cory Finley liefert mit „Vollblüter“ ein beeindruckendes Debüt als Regisseur und Drehbuchautor ab. Der junge Amerikaner stammt eigentlich aus der Theaterszene. Auch sein schwarzhumoriges Teen-Drama war ursprünglich als Bühnenstück konzipiert. Davon zeugen noch die Aufteilung in mehrere Akte und die dialoglastige Handlung. Die Mittel des Films tragen nun aber wesentlich zum Spannungsaufbau bei. So streift die Kamera bedrohlich durch die unzähligen Gänge des Anwesens, in dem Lily wohnt. Dazu kommen ungewöhnliche Aufnahme-Perspektiven und ein verstörender perkussiver Soundtrack.

Kalte Wohlstandsgesellschaft

Vor allem tragen aber die darstellerischen Leistungen dazu bei, dass sich hier eine teils an Alfred Hitchcock erinnernde, aufgeladene Atmosphäre entfaltet. Neben den beiden herausragenden jungen Schauspielerinnen überzeugt Yates, der bereits in „House of Cards“ einen nervtötenden Schriftsteller spielte, als distanzierter Stiefvater mit Fitness-Spleen. Und Yelchin, der kurz nach den Dreharbeiten durch einen tragischen Autounfall verstorben ist, zeigt in seiner letzten Rolle nochmals sein ganzes Potenzial. Neben all den eiskalten Wohlstandsmenschen wirkt sein schmieriger Kleinkrimineller mit den großen Ambitionen noch am ehesten wie eine menschliche Figur.

Vollblüter. Regie: Cory Finley. Mit Olivia Cooke, Anya Taylor-Joy, Anton Yelchin. USA 2017. 93 Minuten. FSK ab 16.

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