Neu im Kino: „Foxtrot“

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Jonathan Feldmann (Yonatan Shiray) ist einer der jungen Männer, der am abgelegenen Grenzposten Wache schiebt.
Jonathan Feldmann (Yonatan Shiray) ist einer der jungen Männer, der am abgelegenen Grenzposten Wache schiebt. (Foto: dpa)
Dieter Kleibauer
Südfinder

Foxtrot. Regie: Samuel Maoz. Mit Lior Ashkenazi, Sarah Adler, Yonatan Shiray. 108 Minuten. Israel/Deutschland/Frankreich/Schweiz 2017. FSK ab 12.

Ravensburg - Foxtrot: Ein Tanz, dessen Ablauf nach einer bestimmten Schrittfolge wieder zur Ausgangsposition zurückführt. Kein Fortschritt, eine Zeitschleife. Wie manche historische und politische Entwicklung auch. Etwa im Nahen Osten. Vorwärts, seitwärts, rückwärts und wieder von vorn.

Israel, die Gegenwart: Ein Ehepaar erhält die Nachricht, der Sohn, gerade 20, sei gefallen. Quälend lange wird gezeigt, wie Vater und Mutter auf den Tod reagieren. Dann kippt der Film unvermittelt in eine Farce. Man sieht eine Gruppe von Soldaten, die an einem abgelegenen Straßenposten gelangweilt Dienst tun, wo sich die Schranke manchmal auch nur öffnet, weil ein herrenloses Kamel vorbeischreitet.

Samuel Maoz’ („Lebanon“, 2009, über das Schicksal einer Panzerbesatzung im ersten Libanonkrieg) neuer Film lief bereits im vergangenen Herbst in Venedig und gewann dort den Großen Preis der Jury. „Foxtrot“ schlug in Maoz‘ Heimatland – er stammt aus Tel Aviv – hohe Wellen. Zeitungen und Politiker warfen ihm eine antiisraelische Haltung vor. Die konservative Kulturministerin Miri Regev (Likud-Block) sprach gar von „Lügen gegen die moralischste Armee der Welt“. Maoz wies das mit Hinweisen auf eigene Erfahrungen zurück. Künstler und Linke stellten sich auf seine Seite.

In der Tat kommen die israelische Armee und der Militärdienst hier nicht gut weg. Der Zuschauer sieht eine Gruppe unerfahrener junger Männer, die schon mit der einfachen Situation des Kontrollposten überfordert sind und das mit zynischem Humor überspielen. Das führt am Ende zu einem schlimmen Zwischenfall mit mehreren Toten. Die Armeeführung vertuscht den Vorfall. Damit wird der Film von der zwischenzeitlichen Komödie wieder zur Tragödie. Maoz zeigt traumatisierte Menschen: Eltern, die mit der professionell überbrachten Todesnachricht umgehen müssen, ihre Söhne, die cool ihren Dienst in der Wüste schieben und schnell an ihre Grenzen stoßen, als es einmal Ernst wird.

Maoz’ Film ist ein bitterer Kommentar zu Israels furchtbarer Situation zwischen brüchigem Frieden und andauerndem Krieg. Wie in einem Brennglas zeigt er die tragische Zerrissenheit der israelischen Gesellschaft auf. Zugleich wird aber auch klar, dass die schiere Existenz solcher Filme unter Beweis stellt, wie liberal in seinem Existenzkampf das Land immer noch ist, Netanjahu hin, Siedlungsbauten her.

Foxtrot. Regie: Samuel Maoz. Mit Lior Ashkenazi, Sarah Adler, Yonatan Shiray. 108 Minuten. Israel/Deutschland/Frankreich/Schweiz 2017. FSK ab 12.

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