Neu im Kino: „Crawl“

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Die ehemalige Leistungsschwimmerin Haley (Kaya Scodelario) im Vorteil, als sie aus dem überfluteten Keller und vor den Krokodile
Die ehemalige Leistungsschwimmerin Haley (Kaya Scodelario) im Vorteil, als sie aus dem überfluteten Keller und vor den Krokodilen flüchten will. Schwierig wird das für ihren schwer verletzten Vater. (Foto: Photo Credit: Sergej Radović)
Stefan Rother

Bedrohliche Tierwesen haben im Horror-Kino Tradition – von fiktiven Urzeitviechern wie Godzilla bis hin zu Scharen von Vögeln, Wespen, Anakondas und natürlich Haien. Zuletzt schien das Genre aber nur noch als Parodievorlage zu taugen, wie sich an Streifen wie „Sharknado“ oder „Snakes on a Plane“ zeigte. Der französische Regisseur Alexandre Aja („Hügel der blutigen Augen“) hat bei dieser Ironisierung ebenfalls mitgemischt und mit „Piranha 3D“ wohl einen der schrägsten Beiträge geliefert.

Sein neues Werk ist dagegen durchaus ernst gemeint und ein geradliniger, auf den Punkt gebrachter Thriller, der seine Geschichte effektiv in knapp unter 90 Minuten erzählt. Die Bedrohung stellen dieses Mal Alligatoren dar. Erschwerend kommt hinzu, dass ein Hurrikan Teile Floridas geflutet hat. Dennoch macht sich Studentin Haley (Kaya Scodelario, „Maze Runner“) auf zu ihrem Heimatort Coral Lake, da ihr Vater dort nicht ans Telefon geht. Dafür umfährt sie sogar eine Polizeiabsperrung, findet zunächst aber nur Sugar, den Hund ihres Vaters. seinen Mit dessen Hilfe wird Daddy (Barry Pepper) doch noch geortet: Er liegt ohnmächtig und verwundet im Keller seines Hauses.

Der Handlungsort für einen Horrorfilm bestens geeignet: Die klaustrophobische Atmosphäre in dem niedrigen Gewölbe erschwert die Fortbewegung, bietet aufgrund der niedrigen Höhe in Verbund mit Rohren aber auch zeitweise Schutz vor Alligatoren. Und den kann das Vater-Tochter Duo dringend gebrauchen, schließlich taucht schon bald ein überzeugend computeranimiertes Exemplar auf. Dauerhaft können sich die beiden allerdings nicht verbarrikadieren, denn das kontinuierlich ansteigende Wasser droht ihnen die Atemluft wegzunehmen.

Soweit das Szenario, aus dem der Regisseur einiges an Spannung ableiten kann und gekonnt mit der Urangst vor dem Gefressen werden spielt. Um dem Geschehen etwas mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen, wird Haley zu Beginn als ehrgeizige Wettkampf-Schwimmerin vorgestellt. Früher war ihr Vater auch ihr Coach, bis es zu einem Zerwürfnis kam. Das führt zu Dialogen, die wohl für emotionale Tiefe sorgen sollen, dafür aber arg hölzern daherkommen. Dankenswerterweise geht es stets schnell wieder mit dem Überlebenskampf über und unter Wasser weiter. Hilfe von außen ist dabei aufgrund des Hurrikans nicht zu erwarten, gelegentlich auftauchende weitere Charaktere dienen in erster Linie als Alligatorenfutter.

So ist „Crawl” in erster Linie ein Zwei-Personen-Stück, plus tierische Gesellschaft. Die beiden Darsteller verkörpern ihre Figuren überzeugend als kämpferische und clevere Überlebenskünstler. Damit liefert der Film genau das, was er verspricht: Schnörkellose Alligator-Action für einen anspruchslosen, aber nervenaufreibenden Sommerkino-Abend.

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