Mit prophetischer Kraft

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Beliebt beim Publikum in Wolfegg: der österreichische Dirigent Manfred Honeck.
Beliebt beim Publikum in Wolfegg: der österreichische Dirigent Manfred Honeck. (Foto: dpa)
Katharina von Glasenapp

Felix Mendelssohns Oratorium „Elias“ setzt bei den Wolfegger Konzerten den packenden Schlusspunkt.

Stark im Glauben, ringend, fordernd, verzweifelt, resigniert: So wird im Alten Testament das Wirken des Propheten Elias beschrieben, so stellt ihn Felix Mendelssohn-Bartholdy in seinem großen Oratorium dar. Unter der Leitung von Manfred Honeck erlebten die begeisterten Zuhörer in der Pfarrkirche St. Katharina den „Elias“ als krönenden Abschluss der 27. Internationalen Wolfegger Konzerte.

Der Altarraum der Kirche ist dicht besetzt mit Streichern und Bläsern der Neuen Kammerphilharmonie Wien, der Philharmonische Chor München in vier Reihen und bis ins Chorgestühl aufgestellt, die vier hochkarätigen Solisten stehen links und rechts vom Dirigenten am Altar. Das wirkt zunächst recht massiv, weil Honeck den klangprächtigen, von Andreas Herrmann hervorragend einstudierten Chor auch zum kräftigen „Hilf, Herr!“ herausfordert. Es ist der Einstieg zu einer ungemein packenden, spannenden Aufführung, die die Wendungen dieser biblischen Geschichte plastisch erlebbar macht und doch bei aller himmelsstürmenden Dramatik in den stilleren Episoden, den Chorälen und Generalpausen am meisten berührt.

Mendelssohns Musik wechselt von der dramatischen Naturschilderung von Dürre, Regen und Unwetter über die formelhaften Gesänge der heidnischen Baals-Priester sowie die zornige Erregung im Dialog mit der Königin zum satten und warmen Choralklang: Der Philharmonische Chor München meistert die Herausforderungen brillant, musiziert die bekannten Engel-Chöre aber ebenso berührend schlicht, fließend und homogen im Klangbild. Der Chor hat also fast die Hauptrolle, die wiederholte und intensive Zusammenarbeit der Münchner mit Manfred Honeck bewährt sich auf begeisternde Weise.

Doch da ist auch Markus Brück, der seit 15 Jahren Ensemblemitglied der Deutschen Oper Berlin ist und unlängst in Zürich als Macbeth faszinierte. Schon die Einleitungstakte des Oratoriums, unterlegt vom „Fluch-Motiv“ der Posaunen, sind ein Versprechen. Später erlebt man ihn als intensiven Gestalter, sei es im Dialog mit der Sopranistin Ruth Ziesak, sei es im aufwiegelnden Disput mit dem Chor oder in der flehenden Bitte um Regen, in der ihn der reizende Knabensopransolist der Augsburger Domsingknaben unterstützt.

Traumpartie für jeden Bariton

Markus Brück strahlt die Autorität des starken Propheten aus, exzellente Sprache, Farben, Dramatik zeichnen seinen Gesang aus, ebenso große Innigkeit im „Es ist genug“, das der Solocellist mit Hingabe umspielt. In ihrer Vielseitigkeit ist das eine Traumpartie für jeden Bariton, der sich mit Feuer über das Orchester erhebt und die Vielschichtigkeit des Propheten Elias verinnerlicht hat.

Die anderen Solisten stehen ihm nicht nach: Der junge Tenor Maximilian Schmitt glänzt mit Wärme und Eindringlichkeit in seiner relativ kurzen Partie. Stefanie Iranyi verleiht mit ihrem Mezzosopran den Worten des Engels Würde und stille Ruhe, entwickelt als böse Königin ebenso leidenschaftliche Glut. Auch Ruth Ziesak hat unterschiedliche Charaktere in ihrer Sopranpartie: flammend als verzweifelte Witwe mit sterbendem Kind und wunderbar lyrisch zurückgenommen in ihrer Arie „Höre, Israel“, mit atemberaubender Pianokultur in den Rezitativen des Engels.

Nach der großartigen Himmelfahrt des Elias im Feuerwagen und den fanfarengesättigten Chören hatten zunächst die Kirchenglocken das letzte Wort, dann setzte sich begeisterter Jubel für alle Beteiligten durch.

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