Mit 105 auf der Bühne: Heesters am Geburtstag bejubelt

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Deutsche Presse-Agentur

Seinen Auftritt in der Hamburger Komödie Winterhuder Fährhaus feierten die Zuschauer mit Jubel und langanhaltendem Applaus. Heesters mimt seit zwei Wochen den Kaiser im Singspiel „Im weißen Rössl“. „Ich denke, die wahre Kraft Deines Lebens sind die Herausforderungen, die noch vor Dir liegen“, sagte Heesters-Biograf Jürgen Trimborn. „Ich wünsche Dir von ganzem Herzen, dass Du älter, aber niemals alt wirst.“ Kurz danach erhielt der Schauspieler seinen achten Bambi.

Auch an „Jopies“ Ehrentag freute sich das Publikum über seinen Humor. „Warum ist man so aufgeregt?! Man sieht doch, ich bin da!“, scherzte er gleich zu Beginn seiner rund achtminütigen Darbietung - und erntete begeisterte Lacher. „Natürlich möchte ich mich setzen. Man ist freilich nicht mehr der Jüngste!“, kokettiert Kaiser Franz Josef alias „Jopie“. Die „lebende Legende“ schien gut aufgelegt, das typische rollende „R“ und seine kräftige und nur selten versagende Stimme ließen Aussetzer, über die ihm seine soufflierende Ehefrau Simone Rethel-Heesters hinweg half, vergessen.

Die Zuschauer feierten ihn gleich nach seinem Auftritt und am Ende beim Geburtstagsständchen. Nach der Aufführung wurde eine Feier im Theatersaal für Heesters ausgerichtet. „Die meisten älteren Leute sitzen zu Hause und das Leben geht an ihnen vorbei. Johannes Heesters dagegen ist mittendrin im Leben, sogar mittendrin im Berufsleben“, sagte Theaterdirektor Jürgen Wölffer. „Er macht jeden Morgen seine Gesangsübungen und seine Gymnastik, ich bin 30 Jahre jünger und mache es nicht!“ Heesters saß noch in seiner Kaiseruniform neben seiner Ehefrau und weiteren Familienmitgliedern auf der Bühne.

Heesters-Biograf Trimborn bescheinigte dem 105-Jährigen, dass er im 87. Jahr seiner Bühnenkarriere „ein Arbeitspensum bewältigt, das so manchen jüngeren Kollegen blass aussehen lassen würde“. Trimborn sprach auch unangenehme Themen an und widersprach den Vorwürfen, dass Heesters „in die Öffentlichkeit gezerrt“ und „vorgeführt“ werde. Jeder, der ihn kenne, „weiß, dass man nichts gegen seinen Willen machen kann“. Außerdem ging er auf den Wirbel um ein TV-Interview für einen holländischen Sender ein, in dem Heesters für eine Satire-Show nach seinen Erinnerungen an Hitler befragt wurde. „Hier wurde jeder journalistische Ehrenkodex mit Füßen getreten“, kritisierte er. (mehr dazu...)

Auch Paul Sahner von der Zeitschrift „Bunte“, der ihm den Bambi überbrachte, bezeichnete den Vorfall als „abstoßend und infam“. Sahner: „Wo, frage ich mich, bleibt der Respekt vor Deinem Lebenswerk?!“ Als Freund wisse er, wie sehr „Jopie“ unter solchen Vorwürfen leide. Er überreichte dem Jubilar das achte goldene Reh und versprach ihm, dass noch viele weitere dieser Trophäen auf ihn warteten. „Wunderbar, wunderschön“, sagte der Geehrte und lachte.

Am Ende kam der Grandseigneur der Operette noch einmal selbst zu Wort - singend natürlich. Er wolle sich bedanken für alles, sagte er. Er habe nicht mit diesen großen Überraschungen gerechnet. „Ich möchte auch ein Lied singen, wenn es noch geht“, scherzte er. Wie es noch geht, davon konnten sich die Zuschauer überzeugen: Fehlerfrei und textsicher sang er mit kräftiger Stimme „Ich knüpfte manche zarte Bande“. Seine Frau stand dich neben ihrem „Jopie“ und hielt ihn an der Hand, aber helfen musste sie ihm nicht.

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