„Missa Solemnis“ in Wolfegg

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Beethovens „Missa Solemnis“ ist höchst dramatisch. Dirigent Manfred Honeck (Mitte) gelang es beim Kirchenkonzert in Wolfegg, die
Beethovens „Missa Solemnis“ ist höchst dramatisch. Dirigent Manfred Honeck (Mitte) gelang es beim Kirchenkonzert in Wolfegg, die Bamberger Symphoniker, den Philharmonischen Chor München und die Solisten für das Werk zu begeistern. (Foto: Rolf Schultes)
Katharina von Glasenapp

Zum 30-jährigen Jubiläum der Internationalen Wolfegger Konzerte hat Manfred Honeck wie schon vor zehn Jahren die großartige „Missa Solemnis“ von Ludwig van Beethoven ausgewählt: Wieder waren die Sängerinnen und Sänger des Philharmonischen Chors München die souveränen Partner, die von der hochfliegenden dramatischen Wucht des Werks und den straffen Tempi des Dirigenten mitgerissen wurden. Die Bamberger Symphoniker verwirklichten Beethovens Grenzen sprengende Messe mit hoher Energie in den Steigerungen der großen Fugen und ebenso mit intensiven, klangschön ausgeleuchteten Passagen: Auch wenn die beengten Platzverhältnisse im Altarraum von St. Katharina immer wieder eine Herausforderung für Orchester und Chor sind, wurden alle erfüllt von der ungeheuren Ausdruckskraft von Beethovens „Missa Solemnis“.

Zum 30. Geburtstag hatten die Wolfegger Konzerte außerdem ein neues Werk bei Till Alexander Körber, dem in Österreich lebenden gebürtigen Tübinger, in Auftrag gegeben: Instrumental mit geistlichem Inhalt, arbeitet das siebensätzige Werk mit Klangfarben, tonsymbolischer musikalischer Rhetorik, Choralmelodien und zuletzt intensiven Klangschichten. Die kurzen Erläuterungen, die der Rezensentin vorlagen, wären auch für das Publikum hilfreich gewesen, doch auch ohne sie offenbarte sich in der konzentrierten Aufführung durch die Bamberger Symphoniker die spirituelle Haltung von Werk und Komponist.

Beethovens „Missa Solemnis“ vereint größte Gegensätze in sich: Flehen um Erbarmen im Kyrie, Jubel, Wärme, Dankbarkeit, Bitten im Gloria, markante Themen im Credo mit dem ganz verinnerlichten „Et incarnatus est“ als Zentrum. Manfred Honeck, der tiefgläubige Dirigent, lockte alles heraus: den überschwänglichen Jubel, der sich hochschaukelt in anspruchsvollsten Chorfugen, und das fast verlöschende Pianissimo des Chors, über dem die Solisten eine klingende Corona bilden. Beklemmend das „Crucifixus“, in dem das Einschlagen der Kreuznägel zu hören ist, brennend die Glaubenssätze von Auferstehung und Himmelfahrt.

Krieg und Frieden

Herausgehoben in Form und Gestaltung sind Sanctus und Benedictus, letzteres vor allem durch das überirdisch schwingende Violinsolo: Dimiter Ivanov vom Frankfurter Opernorchester, der als Gastkonzertmeister der Bamberger Symphoniker eingeladen war, ließ seine Geigentöne in den Kirchenraum schweben, vereint mit dem so harmonischen Soloquartett von Christina Landshamer, Gerhild Romberger, Benjamin Bruns und Franz-Josef Selig und getragen vom deklamierenden Chor.

Außergewöhnlich ist auch das Agnus Dei der Messe, denn die Bitte um Frieden erwächst aus einer Kriegsmusik und bebender Angst, die Beethoven hier eingefangen hat. Manfred Honeck verband Krieg und Frieden, Symphonie und Messe, Soloquartett und Chor in einem bewegenden Miteinander aller Kräfte.

Als schließlich die Sopranistin Christina Landshamer von einem Sonnenstrahl erleuchtet wurde und die Kirchenglocken den schwingenden Abschluss des Agnus Dei weitergetragen hatten, zeigte das Publikum seine Dankbarkeit für den von Andreas Herrmann wie stets bestens vorbereiteten Philharmonischen Chor, die farbenreichen Bamberger Symphoniker und natürlich für Manfred Honeck.

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