Minerva managt das Comeback von Odysseus

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Maria Rosendorfsky, die kecke Göttin, hilft Odysseus (Kwang-Keun Lee) bei der Wiedereingliederung in Ithaka.
(Foto: Martin Kaufhold)
Günter Buhles

Drei Stunden frühbarocke Oper – wird das nicht langweilig? Nein, Matthias Kaiser (Regie) und Mona Hapke (Ausstattung) bringen in Ulm bei Claudio Monteverdis „Il ritorno d’Ulisse in patria“ viel Bewegung und passende Bilder auf die Bühne. Die Gesangssolisten und das Philharmonische Orchester unter Hendrik Haas bieten reichen Wohlklang.

Tatsächlich schuf der schon über 70-jährige Komponist mit dem 1640 in Venedig uraufgeführten Werk über den nach dem Trojanischen Krieg heimkehrenden Odysseus ein, nein das frühe Meisterwerk der Gattung Oper. Dass die neun Darsteller der Inszenierung in insgesamt 17 Rollen schlüpfen, macht das Stück so abwechslungsreich. Rezitative und Arien – überliefert nur mit Generalbass als Vorgabe für ein Instrumentalensemble – geben den Interpreten ideales Material an die Hand. In Ulm wird eine englische Bearbeitung verwendet, reduziert gegenüber der vorzugsweise gespielten von Raymond Leppard: Zu einer Continuo-Gruppe mit barocken Zupfinstrumenten und Haas selbst an Orgel und Regal kommen eine kleine Streichergruppe und zwei Posaunen.

Minerva, die schlaue Göttin der Kriegsführung, zieht die Fäden. Den zu Beginn einer Musterung in Unterwäsche unterzogenen, geschwächten Helden baut sie auf zu einem Mann, der bereit ist, als alter Bettler verkleidet um Penelope zu kämpfen. Seine einsam in Ruinen auf Ithaka lebende Ehefrau erwehrt sich der eher lästigen Freier: der gefräßige Iro, der zickige Pisandro, der Kraftmeier Antinoo und der schleimig-falsche Eurimaco (= Anfinomos). Sie entscheidet, dass nur der als künftiger Ehemann infrage kommt, der den alten Bogen des Odysseus zu spannen vermag. Doch die Freier versagen, nur der Bettler ist dazu in der Lage. Aber erst als der Heimkehrer das frühere Ehebett genau beschreiben kann, erkennt ihn Penelope und ist bereit zum … Happy End.

Kulinarisches Opern-Menü

Komik ist der Pfeffer an dieser Inszenierung: Von Odysseus in Unterhosen (der saftig singende und agil spielende Kwang-Keun Lee) über den ständig Brot und Wurst kauenden Iro (Hans-Günther Dotzauer) bis zur ältlichen Putzfrau Ericlea (der falsetto singende Tenor Rochus Bliesener, später Pisandro) reicht das Panoptikum. Dazu kommen die an Seilen von oben hereinschwebende Minerva (omnipräsent Maria Rosendorfsky), der selbstgefällige Macho Antinoo (Don Lee mit abgründigem Bass, auch Netptun), Telemaco, der burschikose Sohn des Hauses (Edith Lorans mit schönem Sopran), der gute arme Hirte Eumete (Alexander Schröder), Eurimaco in Paradeuniform (Thorsten Sigurdsson) und natürlich die immer damenhafte Penelope (I Chiao Shih mit wohlgeführtem Mezzo).

Und das Kulinarische an diesem Opern-Menü: Alle Solisten singen nicht nur sauber, sondern auch ausgesprochen ausdrucksstark.

Nächste Vorstellungen am 23. und 27. Dezember, Karten unter

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