Michael Borgoltes eröffnet mit „Die Welten des Mittelalters“ neue Perspektiven auf diese Zeit

Das Cover des Buchs.
Das Cover des Buchs. (Foto: C.H. Beck)
Barbara Miller
Redakteurin

1000 Jahre, 1100 Seiten, 3137 Anmerkungen – der Historiker Michael Borgolte hat mit „Die Welten des Mittelalters“ ein Mammutwerk vorgelegt. Diese „Globalgeschichte eines Jahrtausends“, so der Untertitel, ist keine leichte Bettlektüre. Doch dieses Werk breitet eine solche Fülle an Informationen und Perspektiven aus, dass die vielen Stunden, die man mit der Lektüre verbringen kann, nie langweilig werden.

Globalisierung? Das geht uns heute ganz selbstverständlich über die Lippen. Aber was bedeutet Globalgeschichte, und was ist mit Mittelalter gemeint? Über Periodisierungen in der Geschichte lässt sich trefflich streiten. Antike, Mittelalter, Neuzeit - das sind eurozentrische Konstrukte und als solche macht sie der Autor auch gleich in der Einleitung deutlich.

Das Buch von Michael Borgolte ist nach Themen geordnet

Der Historiker, der bis 2016 den Lehrstuhl für mittelalterliche Geschichte an der Humboldt-Universität Berlin innehatte, beleuchtet die Zeit von 500 bis 1500. Es ist nicht die „ganze“ Welt, wie wir sie heute kennen, sondern es sind Welten. Globalgeschichte im Mittelalter definiert er durch Räume, die miteinander kommunizieren und interagieren.

Während „die beiden Amerikas“ und die „Welten des Pazifiks“ , der Süden Afrikas und die arktischen Küstenländer eher summarisch abgehandelt werden, legt Borgolte das Augenmerk auf die „trikontinentale Menschenwelt“, die Europa, Afrika und Asien umfasst. Diese Welt, die im wesentlichen dem antiken Imperium Romanum entspricht, stellt Borgolte über 1000 Jahre dar und fragt: Welche Kräfte prägten diesen Raum? Wie haben diese einander beeinflusst und verändert?

Das Buch ist keine Chronologie von Ereignissen, sondern thematisch geordnet nach Kommunikation, Religion, Fernhandel. Dargestellt wird, wie „Reiche“ – das römisch-deutsche Kaisertum oder das des Dschingis Khan – entstehen und wie andere, zum Beispiel Byzanz, unter den Bedrohungen von außen bedeutungslos werden.

Staunen macht der Fernhandel zu jener Zeit. Gehandelt wurde aber nicht nur mit Waren, sondern auch mit Menschen. Zwischen 912 und 961, haben Wissenschaftler ausgerechnet, wurden im Frankenreich 10 000 Slawen als Sklaven nach Córdoba verkauft.

Allein im Zeitraum von 900 bis 1100 seien im muslimischen Sklavenhandel 1,7 Millionen dunkelhäutige Sklaven nach Asien verkauft worden. Borgolte schreibt: „Aufs Ganze gesehen dürfte der arabische Handel mit Sklaven aus Afrika die Menge des modernen Sklavenhandels mit der Neuen Welt übertroffen haben.“

Man muss dieses Buch nicht an einem Stück lesen. Durch drei Register - Namen, Orte, Sachen – lassen sich gezielt Interessensgebiete ansteuern.

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