Margaret Mitchells Bestseller in neuer Übersetzung

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1936: Die US-amerikanische Schriftstellerin Margaret Mitchell sitzt an ihrem Schreibtisch in Atlanta, einen Monat vor der Veröff
1936: Die US-amerikanische Schriftstellerin Margaret Mitchell sitzt an ihrem Schreibtisch in Atlanta, einen Monat vor der Veröffentlichung ihres Romans „Vom Winde verweht“. (Foto: dpa)
Deutsche Presse-Agentur
Axel Knönagel

Scarlett O’Hara ist wieder da, ebenso wie Rhett Butler, Mammy, das Gut Tara, der Brand von Atlanta und all die anderen Elemente aus dem berühmten Roman von Margaret Mitchell. Dieser ist jetzt in einer neuen deutschen Übersetzung erschienen und heißt nun „Vom Wind verweht“.

Das fehlende „e“ im Vergleich zum altbekannten Titel „Vom Winde verweht“ deutet schon an, dass die von Liat Himmelheber und Andreas Nohl erstellte neue Übersetzung des Erfolgsromans „Gone with the Wind“ aus dem Jahr 1936 moderner ist als die bislang einzig vorliegende deutsche Fassung. Diese hatte Martin Beheim-Schwarzbach bereits 1937 veröffentlicht und die Geschichte aus dem amerikanischen Bürgerkrieg wie ein Buch aus dem 19. Jahrhundert erscheinen lassen.

Dabei war Mitchells Roman bei seiner Veröffentlichung mit seiner eigenständigen und durchsetzungsstarken weiblichen Hauptfigur durchaus modern. Das erkannten bereits zeitgenössische Kritiker, die dem Roman ansonsten wegen seiner Darstellung romantischer Liebe und üblen Rassismus’ kritisch gegenüberstanden.

Nur wenige wissen, dass der Roman 1937 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde, der wohl bedeutendsten Auszeichnung für neue Romane in den USA. Im Nachwort zitiert Nohl den Kritiker Malcolm Cowley: „Sie schreibt mit einer blendenden Unbekümmertheit und wagt sich an große Szenen, vor denen ein erfahrener Schriftsteller zurückschrecken würde.“

Die öffentliche Wahrnehmung der Geschichte wurde ganz entscheidend durch die Hollywood-Verfilmung von 1939 beeinflusst. Fast jeder assoziiert die Figur der Scarlett mit der Schauspielerin Vivien Leigh und ihren Gegenpart Rhett Butler mit Clark Gable. Die Festlegung, dass es sich bei dem weit über 1000 Seiten langen Roman um einen Liebesschmöker handelte, war unvermeidlich.

Warum dann eine neue Übersetzung des Romans nach mehr als 80 Jahren? Im Interview mit der „Frankfurter Rundschau“ begründete Andreas Nohl das Projekt so: „Es ist ein enorm komplexer Roman, der sehr viele Themen und Bereiche abdeckt. Ich nenne das Weltunterhaltungsliteratur.“ Himmelheber und Nohl haben eine sprachlich moderne Fassung von Margaret Mitchells Roman geschaffen, aber auch „Vom Wind verweht“ bleibt wie jede Übersetzung inhaltlich an das Original gebunden. Viele ausufernde Handlungsstränge sind in der Neuübersetzung ebenso erhalten wie der Rassismus der Gesellschaft, in der die Handlung spielt. Doch die Sprache ist direkter, weniger verschnörkelt und frei von den Klischees, die im englischen Original gar nicht erst vorhanden waren.

Der einzige Roman der 1949 tödlich verunglückten Margaret Mitchell enthält zahlreiche Bilder und Legenden über das Leben im amerikanischen Süden vor über 150 Jahren, die teilweise in die Folklore übergegangen sind und Erklärungen bieten für das schwierige Verhältnis der Regionen in den USA untereinander. Mit ihrer Übersetzung haben Himmelheber und Nohl den Roman „Vom Wind verweht“ und seine Autorin Margaret Mitchell für eine deutschsprachige Leserschaft sprachlich in die Moderne geholt und ihnen so eine angemessene Würdigung ermöglicht. (dpa)

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