„Kursk“ – Film über eine Reise in den Tod

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Admiral Viacheslav Gruzinsky (Peter Simonischek, rechts) will die Mannschaft des U-Boots retten, zögert aber, die Hilfe der Nato
Admiral Viacheslav Gruzinsky (Peter Simonischek, rechts) will die Mannschaft des U-Boots retten, zögert aber, die Hilfe der Nato anzunehmen. (Foto: Wild Bunch Germany/dpa)
Rüdiger Suchsland

Jeder, der alt genug ist, erinnert sich an die Tragödie des russischen Atom-U-Boots Kursk am 12. August 2000. Um Spannung geht es also nicht in diesem Film. Wir wissen, dass die Kursk untergehen wird und, dass es im Gegensatz zu der weltberühmten Katastrophe der Titanic am Ende keinen einzigen Überlebenden geben wird. Die Frage, wer es wohl schaffen wird, ist also auch nicht das Thema des Films. Vielmehr interessieren den Dänen Thomas Vinterberg die Todgeweihten und ihre Angehörigen. Er macht daraus ein Gesellschaftsdrama angesichts des kommenden Untergangs.

Drama mit Starbesetzung

Dazu wurden Weltstars des europäischen Kinos verpflichtet: Léa Seydoux, Colin Firth, Peter Simonischek, August Diehl, Matthias Schoenaerts, Max von Sydow. Mit ihnen und mithilfe einer umfangreichen Rahmenhandlung bemüht sich der Film „Kursk“ Unterhaltungskino zu sein. Vinterberg lässt dafür Echtheit, historische Genauigkeit und die traurige Chronik eines angekündigten Todes auf der Strecke.

Grundlage ist das Sachbuch „A Time to Die“ („Zeit zu sterben“) von Robert Moore. Wie Moore beschreibt auch Vinterberg, wie eine Explosion das Schiff schwer beschädigt und 95 Menschen sofort tötet, wie 23 Seeleute überleben und sich in einen halbwegs sicheren Teil des Wracks flüchten, auf Rettung warten, während ihnen langsam die Luft ausgeht.

Um die Dramatik zu steigern, erzählt der Film das Geschehen aus drei Perspektiven – und kann doch dass Korsett der Konvention nicht sprengen: Kapitänleutnant Mikhail Averin (Schoenaerts), der Held im Boot, kämpft ums Überleben. Tanya, die Ehefrau an Land (Seydoux) erlebt die bekannten Stadien der Ungewissheit, des hartnäckigen Nachfragens bei sturen Behörden, dann die Gewissheit. Sie kämpft darum, dass die Regierung ihre Lähmung überwindet. Aber wir wissen: Morgen wird sie Witwe sein. Und der russische Admiral Gruzinsky (Peter Simonischek) ringt mit sich, um Stolz und Angst vor Spionage zu überwinden und die Hilfe des britischen Nato-Kommandeurs David Russell (Colin Firth) anzunehmen.

Seine Anfänge in der dänischen „Dogma 95“-Bewegung hat Vinterberg längst hinter sich gelassen. Sie brachten dem Regisseur zwar viel künstlerischen Ruhm und eine Goldene Palme in Cannes für „Das Fest“ (1998) ein. Doch seitdem zieht es der Regisseur offenbar vor, mit mittelmäßigen Hollywood-Filmen viel Geld zu verdienen. Die Hauptdarsteller bei „Kursk“ kommen aus Belgien, Frankreich, Deutschland, Österreich, England, aber nur einer aus Schweden und kein Einziger aus Russland. Das gibt dem Film schon früh den Geschmack des Nichtauthentischen. Gegen Ende wohnen wir dem voraussehbaren Ende des Überlebenskampfs der Besatzung bei. Wer gern Filme über russische Katastrophen sieht, dem muss man daher dringend die HBO-Miniserie „Chernobyl“ ans Herz legen: Jede Folge davon atmet mehr Tragödie, Schweiß, Heroismus und postsowjetische Nostalgie als „Kursk“.

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