Konstanzer Ausstellung zeigt Orient

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Hippolyte Arnoux’ um 1875 entstandene Fotografie „Orientalinnen in einem Interieur“ ist eine der Aufnahmen, die in Konstanz zu s
Hippolyte Arnoux’ um 1875 entstandene Fotografie „Orientalinnen in einem Interieur“ ist eine der Aufnahmen, die in Konstanz zu s (Foto: oh)
Schwäbische Zeitung
Eva Klopp

Was haben Hieroglyphen mit Fotografien zu tun? Beide erzählen Geschichten, wenn man sie zu deuten weiß. „Orientbilder. Fotografien 1850 – 1910“ heißt der Titel einer Ausstellung in Konstanz.

Initiiert von der Universität Konstanz, soll mit Fotografien aus Ägypten, dem damaligen Palästina, der Türkei und Nordafrika der Weg der „fotografischen Eroberung“ des „Morgenlandes“ nachgezeichnet werden. Die ausgewählten Fotografien sind gleichsam Spiegel ihrer Entstehungszeit, lassen auf gesellschaftliche Hintergründe schließen und beschäftigen sich mit der Frage: Sein oder Schein?

Die Antwort ist im Katalog der Ausstellung zu finden: „Literatur, Kunst und Fotografie haben höchst anschauliche Bilder des Orients erzeugt, welche das wirkliche Vorbild längst nicht mehr einlösen konnte.“ Um diesem Bild gerecht zu werden, etablierten sich mit der Zeit Fotostudios in den orientalischen Hinterhöfen. Schon damals hatten die Fotografen den Umsatz ihrer Bilder im Kopf; sie lichteten aus Vermarktungsgründen das europäische Bild vom Orient ab und gaben ihren Kunden das, was diese sehen wollten. So wurden nicht selten europäische Models mit Pluderhose und Schleier ausstaffiert und auf der prunkvollen Bühne „Orient“ in Szene gesetzt.

Doch nicht alles kann inszeniert werden, ein Rest orientalischer Wirklichkeit ist in den beeindruckenden Landschaftsaufnahmen und Panoramabildern zu finden. Diesen Unterschied zwischen Inszenierung und Wirklichkeit rückt die Ausstellung in den Fokus, sie zeigt aber auch Magie und Charme der ersten Lichtbilder ab 1850. Damals hieß der Mann hinter der Kamera noch nicht Fotograf, sondern „Daguerreotyp“. Doch dass die Wahrheit der Daguerreotypie über „alle Sprache, Malerei und Poesie erhaben“ ist, war schon seit ihren Anfängen unumstritten.

Die Ausstellung im „Bildungsturm“ in Konstanz ist noch bis Sonntag, 22. März, zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag, 10 bis 18 Uhr; Samstag bis Sonnag, 10 bis 17 Uhr. Der Katalog zur Ausstellung erschien bei Weissbooks Verlag, Frankfurt am Main und ist für 32 Euro in der Ausstellung und im Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-86337-037-4).

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