Es geht auch ohne „Kluftinger“ - Autoren Klüpfel und Kobr sprechen über ihre neue Krimireihe

Das erfolgreiche Autoren-Duo Michael Kobr und Volker Klüpfel in Süfrankreich: Dort spielt auch die neue Romanserie der beiden, „
Das erfolgreiche Autoren-Duo Michael Kobr und Volker Klüpfel in Süfrankreich: Dort spielt auch die neue Romanserie der beiden, „Die Unverbesserlichen“. Wie es zu dieser Idee kam, erklären Kobr und Klüpfel im Gespräch. (Foto: Mamapost/Wolff)
Crossmediale Volontärin

Die Allgäuer Krimiautoren Michael Kobr und Volker Klüpfel stehen mit der Kluftinger-Reihe regelmäßig auf den Bestsellerlisten. Jetzt hat das Duo den ersten Band der neuen Romanreihe „Die Unverbesserlichen“ veröffentlicht. Im Interview erzählen sie, wieso ihre Gaunerkomödie an der Côte d’Azur spielt und warum es dieses Mal eine besondere Herausforderung für die Autoren war.

Sie schreiben auf Ihrer Website, dass Sie keine Regionalkrimis schreiben, sondern Ihre Bücher im Allgäu spielen, weil Sie dort aufgewachsen sind. Andererseits werden Ihre Bücher aber auch als Grundlage für Heimatkrimis angesehen. Warum wollen Sie nicht, dass das ein Regionalkrimi ist?

Kobr: Es ist natürlich ein Krimi, der wie eigentlich alle Krimis einen Bezug zu dem Ort hat, an dem er spielt. Bei uns hat er einen engen Bezug durch Kluftinger, der sich ein bisschen an seiner Heimat reibt, die aber auch sehr liebt. Das ist ein Krimi, der in der Provinz spielt, also bewusst nicht in der Großstadt.

Regionalkrimi hat sich als eigenes Genre entwickelt, wirklich auch als Krimi für die Leute vor Ort, wo man wirklich auch sagt, das ist ein Krimi, der spielt in der und der Stadt für die Leute dort, weil die genau diese eine Kneipe und den Metzger kennen, wo sie einkaufen.

Die beiden Autoren Volker Klüpfel und Michael Kobr stellen im Schwörsaal Ravensburg ihren neuesten Kluftinger-Krimi „Affenhitze“ vor. Die „Schwäbische Zeitung“ verlost Karten für den Abend. (Foto: Jens Oellermann)

Mit dem Anspruch sind wir nie angetreten, dass man unsere Bücher als Schablone für einen Stadtrundgang nutzen kann. Wir sind immer angetreten, dass es jeder lesen kann, egal wo er wohnt. Deswegen ist er auch Allgäu-dialektfrei.

Wie wichtig ist es, dass Sie selbst in der Region aufgewachsen sind, über die Sie jetzt schreiben?

Kobr: Am Anfang hat sich die Frage gar nicht gestellt. Das war uns klar, dass es hier spielen kann, weil das Allgäu genügend als Schauplatz hergibt. Dann war es auch praktisch, dass wir, als wir angefangen haben, 28 Jahre unwissender Weise recherchiert haben.

Man weiß, wo was ist und wo was sein könnte. Wir werden jetzt dann eine neue Serie starten, die spielt in Südfrankreich. Da ist es so, dass man mehr nachrecherchieren muss, weil man da noch nicht diese 30 Jahre hat.

Ihr neues Buch spielt an der Côte d’Azur. Wie war das, mal wieder nicht über das Allgäu zu schreiben?

Klüpfel: Wir mussten hinfahren. Die Recherche war gar nicht so viel anders, sie hat nur an einem anderen Ort stattgefunden. Wir haben kein Netzwerk, wir konnten nicht einfach bei der Polizei anrufen und sagen, wir kommen jetzt. Man muss alles neu erfinden, aber man hat natürlich einen frischen Blick, den man auf das Allgäu nicht mehr hat. Wir leben schon immer hier und wir können es nicht mehr von außen betrachten. Wir sind Teil dieses Allgäus.

Kobr: Es ist ganz spannend, weil man sich dieses Netzwerk aufbauen muss. Wenn wir beim Tourismusverband Füssen anrufen, dann sagt das denen was. Wenn wir in Port Grimaud beim Office de Tourisme anrufen, müssen wir erst mal erklären, wer wir sind. Aber das ist auch mal wieder schön, sich das aufzubauen.

Was für Ansprechpartner brauchen Sie für ein Buch?

Klüpfel: Kann man so gar nicht sagen. Bei „Affenhitze“ waren es zum Beispiel die Paläontologen, ohne die wäre es schwierig geworden. Wir hätten uns da in Fachbüchern informieren können, aber was genau dieser Fund für die Region bedeutet und was die da genau machen, kann uns nur der sagen, der es durchgeführt hat.

Da standen die Türen von Anfang an weit offen. Wir haben viele Gespräche geführt, wurden rumgeführt und haben dann das Buch vor der Veröffentlichung noch mal zum Korrekturlesen an die Wissenschaftler gegeben. Die waren ganz überrascht, dass wir Krimihupfdolen das so akkurat hinbekommen haben.

Wie kam es dazu, dass das neue Buch in Frankreich spielt?

Kobr: Ich war da jahrelang mit dem Wohnmobil im Urlaub und irgendwann haben wir uns ein Haus gemietet. Port Grimaud ist eigentlich eine Lagunenstadt, die nur aus Ferienhäusern besteht, aber wie ein provenzalisches Dorf wirkt.

Auf einmal hat man einen Einblick gehabt in die Strukturen dieser Stadt, was da gegeneinander und miteinander spielt und dann war klar, dass das ein super Schauplatz ist.

„Die Unverbesserlichen“ ist eine Gaunerkomödie – wie viel Spannung und Humor stecken in dem Buch?

Kobr: Wahrscheinlich mehr Humor als Spannung.

Klüpfel: Der Ton ist anders als beim Kluftinger. Da schreiben uns die Leute immer, dass sie laut lachen müssen und es ihnen peinlich ist, wenn sie in der U-Bahn sitzen und unser Buch lesen. Der Humor in „Die Unverbesserlichen“ ist, glaube ich, Frankreich angemessen, etwas feiner. Dafür zieht sich diese Heiterkeit ganz durch, während es beim Kluftinger schon ziemlich ernst wird, wenn es um einen Fall geht.

Welcher ist Ihr Lieblingscharakter im neuen Buch?

Klüpfel: Wir dürfen jetzt ja eigentlich noch gar nichts drüber sagen. Dieses Mal stehen wir aber auf der Seite der Gauner im Gegensatz zu Kluftinger, wo wir aufseiten der Polizei sind.

Welche Szenen haben Ihnen selbst am meisten Spaß gemacht beim Ausdenken und Schreiben?

Kobr: Ich glaube gar nicht mal, dass es eine Szene war, die am meisten Spaß gemacht hat, sondern das Schaffen dieser neuen Welt. Wir haben uns eine Gaunertruppe zusammengewürfelt, die ganz heterogen besetzt ist.

Bei Kluftinger ist man immer festgelegt und hat mittlerweile einen Rattenschwanz von Backstory bei jeder Figur. Für das neue Buch konnten wir neue Figuren erschaffen, ein neues Umfeld, neue Wohnsituationen.

Hat sich Ihr Schreibprozess bei dem neuen Buch im Vergleich zu den Kluftinger-Büchern verändert?

Kobr: Der Ton ist ein ganz anderer, aber unsere Arbeitsweise ist die gleiche. Wir plotten zusammen und machen erst einen Grobplot. Wir überlegen uns ganz genau die Vita der Figuren und dann geht es erst ans Schreiben. Das ist wieder Arbeitsteilung.

Was erwartet die Leser bei Ihrem neuen Buch?

Klüpfel: Eine Gaunerkomödie, das heißt Spannung und Humor in Südfrankreich.

Kobr: Und ein Buch, das Mitte November, in der vielleicht trübsten Zeit hier in Deutschland den Süden noch mal zurückholt.

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