Klaus Meine im Interview: Darum mussten „Bon Jovi“ alle unsere Auftritte ansehen

Lesedauer: 7 Min
Haben sich mit Titeln wie „Winds of Chance“, „Rock You Like A Hurricane“ oder „Still Loving You“ eine treue Fanschar erspielt: d
Haben sich mit Titeln wie „Winds of Chance“, „Rock You Like A Hurricane“ oder „Still Loving You“ eine treue Fanschar erspielt: die Scorpions um Sänger Klaus Meine (Mitte). (Foto: pr)
Olaf Neumann

Die Scorpions treten am 25. Juli beim Schloss Salem Open Air auf. Karten sind im Vorverkauf bei www.schwäbische.de/tickets erhältlich.

Die Scorpions sind weltweit die gefragteste deutsche Rockband. Nach über 100 Millionen verkauften Platten blicken sie zurück auf eine 50-jährige Karriere. Heutige Weltstars wie Metallica, Iron Maiden und Bon Jovi spielten einst im Vorprogramm der Hannoveraner. Olaf Neumann traf in Hannover auf einen sichtlich gut gelaunten Klaus Meine und sprach mit dem Weltstar über magische Momente und seinen 70. Geburstag.

Die Zusammenstellung „Born to Touch Your Feelings“ zeigt die Scorpions von ihrer ruhigeren Seite. Sie gelten als die Miterfinder der so genannten Powerballade. Worauf legen Sie besonderen Wert, wenn Sie eine Ballade wie „Still Loving You“ oder „Send Me An Angel“ schreiben?

Man hofft immer, eine starke Nummer zu schreiben, die die Fans hoffentlich mitten ins Herz trifft. Labels wie „Powerballade“ spielen in dem Moment keine Rolle. Entweder schreibst du einen geilen Rocksong, weil du eine tolle Idee für einen Riff hast, oder eine Ballade wie „Follow Your Heart“. Bei unserem MTV-Unplugged-Gig in Athen habe ich das Stück nur mit Stimme und Gitarre performt und gehofft, dass daraus irgendwann einmal eine starke Rockballade mit Band wird. Das ist jetzt geschehen.

Der Song „Melrose Avenue“ ist eine Hommage an die berühmteste Meile von Los Angeles und das Lebensgefühl Kaliforniens. Was fasziniert Sie an diesem Lifestyle?

Uns faszinieren die USA als Touring-Land, weil die Rockkultur dort so stark ausgeprägt ist. In den USA erlebten wir von 1979 bis Ende der 1980er-Jahre hinein eine unserer stärksten und erfolgreichsten Phasen. Vom amerikanischen Rock ’n’ Roll-Geschäft haben wir als Liveband viel gelernt. Wir standen jeden Abend in einer anderen 20 000er-Arena auf der Bühne. Und das in Konkurrenz mit Bands wie AC/DC, Aerosmith oder Van Halen. Es war faszinierend, als deutsche beziehungsweise europäische Band in diese internationale Rockfamilie reinzuwachsen und mit unserer Musik so erfolgreich zu sein.

Ist es wahr, dass Ihre damalige Vorband Bon Jovi sich auf Geheiß ihres Managers jeden Ihrer Auftritte ansehen mussten, um von Ihnen zu lernen?

Wir hatten Bon Jovi gepickt auf der 1984er-Tour. Sie waren mit uns sechs Monate unterwegs. Wir mochten die Band, sie hatte damals mit „Runaway“ einen kleinen Radio-Hit. Wir hatten mehrere Bands zur Auswahl, Bon Jovi fanden wir cool und sie lernten sehr schnell. Ihr damaliger Manager Doc McGhee, der später auch unser Manager wurde, riet ihnen, sich jeden Abend die Scorpions anzusehen. Er sagte: „So machen es die Großen“. Uns ging es ähnlich; wir standen anfangs auch als Opening Act mit AC/DC oder Ted Nugent auf der Bühne. In den 30 Minuten, die dir zur Verfügung stehen, spielst du um dein Leben. Ein paar Jahre später waren wir selbst Headliner mit Vorbands wie Metallica, Def Leppard und Iron Maiden.

In einem US-Metal-Magazin war kürzlich zu lesen: „Klaus hat bei Weitem die beste und markanteste Stimme von allen Hard-Rock-Bands der 80er-Jahre“.

Als wir in Las Vegas unser erstes Residency im Hardrock Hotel mit fünf Shows gespielt haben, bekamen wir von einem großen Musikmagazin einen Preis überreicht in Gegenwart vieler Musiker. Jeder, der an dem Abend einen Award erhielt, erwähnte die Scorpions und mich als Sänger als Inspiration. Es hat uns selbst überrascht, wie breit das gefächert war. Selbst die ganz harten Kerle nannten uns als Einfluss.

„Wind of Change“ ist in den USA momentan wieder sehr populär. Hat der Song für Amerikaner eine neue Bedeutung bekommen?

Wir werden in Amerika viel mehr als Hardrock- und Heavy-Metal-Band wahrgenommen. Deshalb hatten wir „Wind of Change“ dort zeitweise gar nicht im Set. Die Emotionen, die „Wind of Change“ in Russland auslöst, sind verbunden mit dem Ende des Kalten Krieges. Für einen Amerikaner ist die Moskva aber sehr weit weg. Als wir ihn jetzt gespielt haben, haben sie den Song als Friedenshymne mit der Hoffnung auf einen Wandel empfunden.

Lassen Sie sich von Donald Trump Ihre Liebe zu Amerika nicht verderben?

Absolut nicht, wir haben großartige Fans in Amerika und hatten dort eine tolle Tour. Aber es war gleichzeitig auch eine schwierige Zeit. Zwei Tage nach dem Attentat in Las Vegas traten wir in Nevada auf. Und über Florida und Texas waren am Anfang der Tour schwere Stürme hinweggefegt. Wir konnten nicht einfach „Rock You Like A Hurricane“ spielen und diese Naturkatastrophe vollkommen ignorieren. Das waren emotionale Momente. Wir haben uns dann entschlossen, den Song trotzdem zu performen und zu Spenden für die Opfer aufzurufen.

Sie haben am 25. Mai Ihren 70. Geburtstag gefeiert. Wie altert man im Rock'n'Roll in Würde?

So lange wie ich auf Tour bin, ist das Alter für mich überhaupt kein Thema. Wir spielen mittlerweile für drei Generationen. In Amerika ist der Altersdurchschnitt etwas höher, das liegt an den Fans aus den 80er-Jahren, die mit uns zusammen älter werden. Im Rest der Welt ist ein unglaublich junges Publikum dazugekommen. Das hält uns jung. Wir werden natürlich älter und spüren das hin und wieder auch.

Die Scorpions treten am 25. Juli beim Schloss Salem Open Air auf. Karten sind im Vorverkauf bei www.schwäbische.de/tickets erhältlich.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen